Alt-Prager Almanach
- Journal
- Alt-Prager Almanach
- Volume
- 1926
- Date
- 1926-01-01
- Page
- Seite 128 (sequence 134)
- Language
- German
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rück. Nach einer Weile kam er mit einer frischen Kerze wieder und überreichte mir ein kleines Notenblatt. „Nehmen Sie das mit," sprach er, ,,als Erinnerung an diese Stunde, und wenn Sie nach Wien kommen, grüßen Sie mir die dortigen Herren!" — Ich machte ihm Vorwürfe, daß er ein Werk, wie den Faust, so lange der Öffentlichkeit vorenthalten habe. — ,,Liegt noch mehr als das drin," war die Antwort. „Aber Tomaschek ist alt, und man muß ihn nicht nur mit der Hand, sondern auch mit dem Kopfe spielen, und das ist unkommod." — „Dürfen wir nicht hoffen, ihren Faust dennoch bald in Wien, z. B. in einem Konzert spirituell zu hören?" „Vielleicht wenn ich tot bin." Tomaschek trat in's Nebenzimmer, ich sah ihn seit der Zeit nie wieder. Werde ich je den ganzen Faust hören? Tot — ist der Meister. KETZERTHEATER DES BAROCK. Johannes Haase. Uber all dem selbstbewußten Hochadel, verweltlichten Prälaten, brillierenden Modeschönheiten des Tages rings auf den Emporen der Kirche St. Nikolaus, vielsagendem Spiel kleiner Fächer, aufsteigenden Parfümwolken von sehr entblößten Frauenschultern, Puderstaub, Weihrauchduft, über der Koketterie, Langweile, chronique scandaleuse, den Intriguen und Amouren dieser müden, übersättigten, stets ironisierenden und grazilen Gesellschaft brütete an jenem 20. Mai des Jahres 1747 die eine erwartungsvolle Sensation: die öffentliche Verdammung des Erzketzers und Antipapisten Jan Capeila. 128