Alt-Prager Almanach
- Journal
- Alt-Prager Almanach
- Volume
- 1926
- Date
- 1926-01-01
- Page
- Seite 139 (sequence 147)
- Language
- German
- Belongs to
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über ihre Schäferspiele und Aventüren in der unschuldigen Natur —" „Liebenswürdiger Spötter," lachte die schon ein wenig verblühte Stiftsdame kokett. „Wie befindet sich Seine Exzellenz, der verehrungswürdige Herr Wildgraf, auf seinen Gütern in Ungarn?" fragte jemand mit devotem Tonfall. An anderer Stelle erklärte man: „Die französischen Kriegstrubel haben uns viel gekostet, man spricht von neuen Konflikten —" „Die Jugend, ach ja, die aimable Jugend," seufzte auf seinen Krückstock gestützt der siebzigjährige Chevalier Carpini, selbst noch immer den aimablen roue spielend, geschminkt, mit einer pomadisierten Perücke, einem Gebiß aus Elfenbein und braungefärbten Augenbrauen, „die Reisefortuna ließ zu meiner Inkommodität zweimal ein Wagenrad brechen. Paris ist eine amoureuse Stadt, der einzige Ort, wo man wirklich lebt. Ich war bereits vor sechzig Jahren zum erstenmal dort und oft genug später. Der Herr Voltaire und andere Leute bringen jetzt die kostbare Novität auf, daß jeder Mensch gleiche Rechte habe. Ich bin dem anderen so wenig gleich wie mein Reitpferd aus England dem Karrengaul vom Feld." Da zerbrach die dumpfe Stimmung über dem Volke eine eherne Stimme, die Stimme des Ketzers, der zum erstenmal den Mund auftat: „Haec enim est hora, qua stultitia triumphat." (Das ist die Stunde, in der die Dummheit triumphiert.) „Er philosophiert selbst im Bette über das Bett," hieß es gerade ziemlich laut irgendwo. Und inmitten der Erstarrung des hl. Kollegiums über diese unerhörten, nie vor ihrem Richterstuhl gehörten 139