Alt-Prager Almanach
- Journal
- Alt-Prager Almanach
- Volume
- 1926
- Date
- 1926-01-01
- Page
- Seite 125 (sequence 131)
- Language
- German
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Seine Bekannten schildern ihn als wohlbeleibte, umfangreiche Riesengestalt, als einen Mann, der mit magistraler Miene steif einherstolzierte, der sich selbst vergötterte, nicht sehr freundlich war, die Leute fixierte, laut mit ihnen schrie, von Sarkasmus sprühte — und eine gute Seele hatte. Er war nicht Professor am Prager Konservatorium, er war nur Kompositeur beim Grafen Buquoy und ein meisterlicher Lehrer, dessen pädagogischer Ruf bei weitem seinen kompositorischen Ruhm überstrahlte, bis aus England und Rußland eilten Klavier- und Theorie-Schüler zu ihm. Bei den Soireen in Tomascheks „kontrapunktlicher Residenz" auf der Kleinseite wurden meist seine Werke präsentiert und Zeitgenossen, beim berühmten Zwetschkenkuchen, viel, scharf und spitzig kritisiert (Tomaschek über eine Sängerin: ja Stimme hat sie, aber vom Singen versteht sie soviel, wie eine Ofentür). Mitlebende verriß er fast ausnahmslos, auch von Beethoven hielt er als eingefleischter Mozartianer nicht allzuviel. In das geräumige, mit Fauteuils möblierte Zimmer, in dessen Mitte ,,als Opferaltar" ein Pianoforte stand, war auch einmal ein Wiener Dichter gebeten worden, und dieser äußerst reizvoll schildernde Anonymus hat in der Wiener Zeitung d. J. 1850, anläßlich des Todes des Musikpapstes eine heute kaum mehr bekannte Erinnerung zurückgelassen, aus der hier einige Sätze mitgeteilt werden können. Tomaschek war an diesem Abend allein zu Hause, als sein Gast eintrat. Er las — bereits im Neglige — den west-östlichen Divan und ließ sich hierauf in ein ästhetisches Gespräch ein, das Geist und Pedanterie verriet. Dann stand Tomaschek auf, nahm die Kerze vom Tisch und verschwand mit der Bemerkung bald wiederzukommen... „Ich will im 125