Alt-Prager Almanach
- Journal
- Alt-Prager Almanach
- Volume
- 1926
- Date
- 1926-01-01
- Page
- Seite 123 (sequence 129)
- Language
- German
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chen, auf das er Ansprüche hätte, nie mit einem Andern walzen sollte als mit ihm, ,,und wenn ich darüber zu Grunde gehen müßte". Nicht umsonst rasten die Zuseher und wollten ihr Opfer haben: Der Magistrat zu Basel verbot das Walzen. Längst aber und bahnbrechend war schon in Österreich ein wuchtiger Schritt der Behörden gegen die leichten Schritte der Untertanen erfolgt: Ein höchstes Hofreskript vom 18. März 1758 befahl gnädigst, daß ernstlich das Walzen verboten werden sollte, welches der Gesundheit schädlich und auch der Sünden halber sehr gefährlich sey. Der 3A-Takt des Volkes war jedoch stärker als der Takt der Obrigkeit, das Walzen siegreich gegen die Walzen amtlicher Erlässe, und über das heilsame Verbot, das sie mit Füßen traten, setzten die Paare hinweg in dem Schwung, in den jene verruchte Tanzart im Königreiche Böhmen gekommen war — und offenbar auch umgekehrt —, die den Körper übermäßig erhitzte und angriff, und welche die Regierung nun unumgänglich abgestellt wissen wollte. Trotzdem lernte Prag in der josephinischen Zeit den Ernst des Lebens. Denn, wo eine öffentliche weibliche Erziehung sich vorfand, untersagte sie das Tragen der Mieder, und das Jahr 1786 gestattete überdies nur noch die rote Schminke, deren Fabrikant der Behörde Proben der Unschädlichkeit seiner Komposition zu liefern hatte, während es den jungen Damen von da ab unmöglich wurde, sich und Anderen etwas weiß zu machen. Sie mußten sich mit den gestrickten Kleidern trösten, die in Prag sehr modern wurden. Ganze Säcke verfertigte man, aus denen dann die Kostüme entstanden, und manche Schöne hat sich, wie ein damaliger Journalist meinte, schon einen Mann an den Hals gestrickt. Ein neuer Be- 123