Alt-Prager Almanach
- Journal
- Alt-Prager Almanach
- Volume
- 1926
- Date
- 1926-01-01
- Page
- Seite 137 (sequence 145)
- Language
- German
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mit philosophischer Miene der Gesandte, „bemerkte ich auf ihrem Pariser Toilettentisch mit Vergnügen eine Auswahl der amoureusesten Schriften." „Mein Strumpfband hat sich gelöst — Sie dürfen es geschickt und unauffällig befestigen," antwortete sie sanft. „Wissen Sie," erzählte man dazwischen, „was der eine wirklich witzige Hebräer sehr gut als Trumpf auf alle Eloquenz der ehrwürdigen Jesuiten erwiderte? Herr Pater, suche ich ja auch nicht Euer Ehrwürden zum Judentum zu bekehren! — Was sagen Sie dazu, ich rufe Sie auf, bitte Sie!"--- Ein Augenblick jäher Stille schreckte die allgemeine halbgeflüsterte Unterhaltung auf, denn der Legat erhob sich im majestätischen Bewußtsein der in seiner Person vertretenen Hierarchie; er wies auf den Gekreuzigten, hob seine Hand zu ihm auf und beschwor den Ketzer zum Widerruf. Er sprach die Worte aus, daß die Verbrechen klar und offenkundig seien, wodurch der Inquisit mit voller Beweiskraft überführt sei. Sich unter seinem Tronbaldachin niederlassend harrte er stumm mit dem ganzen Kollegium und allem Volk. Der Häretiker stand aufrecht; der Wächter an seiner Seite wischte mit einem Tuch von seiner Stirn den Schweiß ab. Seine Gesichtszüge, erdfarben und verfallen, aber von verstocktem Ausdruck, zuckten dennoch konvulsivisch zusammen. Soeben hatte Quasko seine letzte Pointe präsentiert: „Der Ordensprovinzial soll intra muros beteuert haben, lieber wolle er Steine erweichen als diese hart gesottenen Juden bekehren." Eine lautlose schwüle Stille wie vor einem Gewitter herrschte jetzt. Plötzlich schwoll ein ungeheuerer Ausbruch aus dem namenlosen Tier, der Menge, hinan zu 137