Alt-Prager Almanach
- Journal
- Alt-Prager Almanach
- Volume
- 1926
- Date
- 1926-01-01
- Page
- Seite 122 (sequence 128)
- Language
- German
- Belongs to
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ler Menschen, ausgähren zu lassen". Nur einen Tanz setzten Alle in einer geradezu völkerversöhnenden und vereinenden Einmütigkeit auf den Index: Das Walzen nannte man ihn in einer groben Sachlichkeit, welche an den engen Zusammenhang von Mensch und Tanz erinnert. Es ist der Aufschrei eines reinen Männerherzens, wenn der Professor Johann Georg Jacobi 1775 in seiner ,,Iris" sich an Alle wendet: „Wir sollten nicht gestatten, daß unsere Weiber, Töchter" — vorsorglich fügt er hinzu: „oder Geliebten—, von Männerarmen umschlungen, Brust an Brust mit ihnen, in völliger Betäubung ihrer selbst, nach einer wilden Musik herumgeschleudert würden." Schon Jahrzehnte vor ihm hatte der englische „Zuschauer" beim teutschen Walzer dessen wahres Wesen richtig erkannt in der schlichten Schilderung eines unfrohen Vaters: „Ich würde nie geglaubet haben, daß mein Kind so etwas könnte. Sehr oft setzte sie sich mit ihrem jungen Tänzer in eine der unverschämtesten und geilsten Stellungen. Das junge Herrchen macht einige Luftsprünge, läuft nach seiner Tänzerin, schlingt seine Arme in die ihrigen und schwenkt sie in der Luft herum, so daß ich viel weiter über den Schuh des Mädchens sah, als ich es für schicksam finde, Ihnen zu erklären. Ich konnte alle diese Ausgelassenheiten nicht mehr länger aushalten, sprang hinzu, ergriff meine Tochter bey der Hand und führte sie nach Hause." Sophie von La Roche prägte die Anschauung ihrer Zeit in der Geschichte des Fräuleins von Sternheim zu dem markigen Wort vom sittenlosen, frechen Wirbeltanz der Deutschen, der mit einer, alle Wohlstandsbande zerreißenden Vertraulichkeit daherhüpft, während der junge Werther vermittelnd einen seiner beliebten Schwüre ablegte, daß ein Mäd- 122