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Die Kreatur · 1929-01-01 · Heft 2 · page 32

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Kreatur
Volume
3 (1929-1930)
Issue
Heft 2
Date
1929-01-01
Page
– (sequence 32)
Language
German
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ausgäbe und mit Handschrift-Proben am Ende; mit dem Verzeichnis aller Werke und aller Preise auf dem Umschlag. — Die Verleger machen es alle so, sagt man. Ja, sie machen es alle, und das muß nun wohl so sein. Aber es hat etwas Schauerliches, diese einsame Gestalt und diesen einsamen Namen in das heutige Strömen von Kaufen und Verkaufen gezogen zu sehen. Es will alles nicht passen. George paßt nicht in die heutige Öffentlichkeit, und es scheint nichts übrigzubleiben, als ihn an sie auszuliefern. Vor dreißig und mehr Jahren war man allein mit solch einem Band Gedichte, und die Gedichte waren allein. Es wurde kein Weg zu ihnen angeboten außer durch sie selber; und der Dichter las dann und wann einem größeren Kreise daraus vor. Heut gibt es die Verleger- Anzeigen. Es gibt auch die Ausleger; das stellt sich wieder lebhaft vor die Seele. Gundolf hat es vor Jahren in seinem großen Buche unternommen, Stefan George zu interpretieren. Er will uns sein Werk näher bringen. Aber das Erklären ist ein heikles Handwerk und man hat wohl nie Dichtung erklärt. Die Dante-Interpreten handeln die historischen, die mythologischen Bezüge ab, die er nimmt, die zeitmäßigen, in denen er steht. Das Dichterische kann niemand interpretieren. So kann man auch bei George etwa ausdeuten, was er meint, wenn er von seiner Zeit spricht — man kann ihn erklären, insofern er nicht der Dichter ist. Man kann nicht den Dichter den Leuten herholen und herzubringen. Man kann den Menschen nicht zu Kunst verhelfen, man kann sie ihnen nicht auseinandersetzen. Niemand hat den Griechen ihre Bildwerke erklärt. Man kann den Dichter nicht anders interpretieren, als indem man ihn klingen läßt, ihn spricht, wie George selbst es getan hat. Der theoretische Interpret kann sich eigentlich nichts anderes vorsetzen, als durch seine Künste zu bewirken, daß ich verweile bei dem Werk, daß ich es anschaue, daß ich hinhöre, daß ich damit lebe. Alles was er sagt, kann nur Vorwand sein, um mich dahin zu bringen, daß ich willig bin mich aufzutun. Es kann nichts helfen, Satz für Satz durchzugehen, und mir zu sagen, wie ich verstehen soll und was ich verstehen soll. Den Dichter kann man nicht erklären; der Dichter kann nur auf seiner Unerklärbarkeit bestehen und wenn die Menschen den Weg nicht zu ihm finden auf seiner Unverständlichkeit. Er ist nur zu empfangen, er ist nicht zu erkennen; er ist nicht zugänglich zu machen, er ist nur durch sich selber zugänglich. Er kann 168

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