Die Kreatur
- Journal
- Die Kreatur
- Volume
- 3 (1929-1930)
- Issue
- Heft 2
- Date
- 1929-01-01
- Page
- – (sequence 33)
- Language
- German
- Belongs to
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nur vernommen werden, oder er wird nieht vernommen. Der Dichter klingt an den ganzen Menschen hin. Wenn man diesen Menschen anleitet über ihn zu diskurieren, so spaltet sich der. der hören soll; er hat sich nicht mehr beisammen: und er hört den Dichter immer weniger. Der eigentümliche Hauch, mit dem alle Kunst als Kunst, als Gefornitheit uns anrührt, verflüchtigt sich. Kunst ist zugänglich - sie ist vielleicht sehr einfach zugänglich, aber sie ist nicht erklärlich. Und man macht die Menschen unzugänglich für das Unerklärliche, wenn man es ihnen zu erklären versucht, wenn man es ihnen durch die Auseinandersetzung näherbringen will. Es ist eine Vornahme für eine Zeit, der mehr daran liegt, sich über Wirkungen klar zu sein, als Wirkungen zu empfangen, an denen sich das Dasein ausbreitet und in die Weiten geht; das Dasein, nieht das Diskurieren. Sie bauen einen Urwald um Stefan George - Gedankengespinste, Vertiefungen, Darlegungen — und wollen uns sagen, durch diesen l rwald führe es zu ihm hin. Geht man von Baum zu Baum darin, so verliert man sich. Bis man erkennt, daß dieser erschreckende l rwald etwas ist, das man durchaus nicht braucht, womit man sich nieht abzufinden hat: man kann ihn durchschlagen, man kann ihn umgehen. Ein Wall von lauter weit spannenden klugen Dingen, von lauter l nbestreitbarkeiten wird gehäuft, die nicht von Georges Welt sind und die uns unnötig von ihm trennen. Die Potenz, die uns befähigte, je zu ihm hinzukommen, kann durch diese Dinge nicht genährt werden, sie setzt aus, -ie wird verstört. Sie wird auch verstört durch den imperativiseh-diktatorisehen Ton, in dem gesprochen wird — der gar nichts davon weiß, daß ein Knecht und ein Gehorsamer nicht zu George gelangen kann; ich muß ich selber sein, wenn ich zu ihm kommen will. Trotz Georges autoritativer Weltanschauung, ich kann nur als ein Freier zu ihm kommen. - Es frommt das alles nicht, es dient nicht. Man kommt der Einordnung näher, man lernt, wohin man George als gebildeter Einordner in die Zeiten stellen sollte neben andern Dichtern; man hört von der Aufgabe des Dichters in seiner Zeit, seinem geschichtlichen Sinn; dem Gedicht kommt man nicht näher, dem Werk nicht. Das aber: dem Werk George> näherzubringen — eben das setzt sich Gundolf doch vor. Lud er setzt es sieh vor als der Jünger, als der, über den der Weg geht, der ihn besitzt und der ihn austeilt. Man kommt dem Gedicht nur gelehrt näher, und das küm- 16<>