Die Kreatur
- Journal
- Die Kreatur
- Volume
- 3 (1929-1930)
- Issue
- Heft 1
- Date
- 1929-01-01
- Page
- – (sequence 96)
- Language
- German
- Belongs to
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Arbeitsverwaltung. Ja Zeichen melden sich, daß hie und dort die Falscheinstellung zur Natur w enigstens erkannt wird und eine Wandlung in den Seelen leise Besserung schafft, w enn auch nur im kleinen. Aber das Schwungrad der Zeit arbeitet im großen weiter an der Auspumpung der Natur und der Einpumpung der Seele in diesen Ausschleuderungsprozeß. Glauben wir nicht mit kleinen Regungen aus der Todesgefahr zu sein! Sie wurzelt tiefer, als daß guter Wille und sittlicher Vorsatz ihr beikommen könnte. 3 So wendet der Arzt nun seinen forschenden Blick von der äußeren Hornhautschicht, von den Werkleuten, auf eine tief innen liegende Haut, auf jene Harmlosen, die genannt w7aren als mit sich selber im reinen. Auf die Glaubensleute, die ihr Seelenheil gefunden zu haben glauben für sich, das Heil der Außenwelt ihrem Gott überlassend. Zum Querschnitt der Entartung empfängt er so ihren Längsschnitt. Das Verhältnis zur Natur wird ein Verhältnis zu Gott: ein Glaubenszustand. Das Mißverhältnis zur Natur - der Glaubenszustand des Protestantismus! der Religion dieses Privatseelenheils, des Glaubens ohne Tat. Rechtfertigung aus dem Glauben allein - o verstehen wir den weltlichen Hintersinn dieses Evangeliums! Ja es stellt jeden Einzelnen unmittelbar in Gott, gibt jedem dieser Menschen das geistige Anrecht, sich hinter sich zu lassen in seinem unvollkommenen Tun und sich zu erheben und zu betten unmittelbar ins Gottestun mit der Glaubensgewißheit unbedingten Standes in der Gnade. Aber es gibt der Seele diesen göttlichen Schwung, um ihr die Göttlichkeit ihres Werktuns zu nehmen, unter dem Vorwand der Gewissensangst, daß es nicht göttlich genug, daß es also letztlich vor Gott widergöttlich. „Vorwand der Gewissensangst" scheint ein Widerspruch, aber beides ist wahr. Das Gewissen, das nach göttlicher Vollkommenheit schrie, schrie an wider die Gott Widrigkeit seines sündigen Tuns. Aber so echt dieses Schreien, so falsch war es auch: schrie in ihm nicht auch eine Stimme nach Entheiligung, Verweltlichung, Entgöttlichung des Tuns, nach einer Entsündigung, die das Werk einerseits nicht mehr göttlich ließ, anderseits auch nicht gottverflucht machte, sondern profan gesegnet? Gebar sich nicht überhaupt im Schrei dieses Verlangens nach Natürlichung des Werks Natur und Welt so, wie wir sie heut sehen? Ist der Protestantismus nicht jene Bürgerreligion, der die Jenseiligkeit des Seelenheilglaubens zum Rechtstitel diente für dies- 96