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Die Kreatur · 1929-01-01 · Heft 1 · page 95

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Kreatur
Volume
3 (1929-1930)
Issue
Heft 1
Date
1929-01-01
Page
– (sequence 95)
Language
German
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Hieraus fließt die Arbeitsverdrossenheit der Zeit. Ihr Mangel an Arbeitsfreude, der beginnt mit der moralischen Betonung der Pflicht und sich auswächst schon bis zu Arbeitsdesertion. Nicht einem Zweck zu gehorchen, diesem Zweck gehorchen zu sollen, sich härter als der Seele wohl tut an die x\rbeit zu tun, aus der Natur Güter zu schaffen, dies schafft unsere Arbeiterausstände, ihr unablässiges Drängen auf Verkürzung der Arbeitszeit, ja Gegenarbeit (Sabotage) und Arbeitsscheu - mit ihrem schrecklichen Ausblick für die Zukunft der Kultur. Der Arbeiter glaubt nicht an die Richtigkeit dieser Arbeit. Erst recht aber der N ichtarbeiter nicht, der Geist- und Kopfarbeiter. Wiederum hat der Handarbeiter den springenden Punkt nicht begriffen, der ihn von dieser Oberklasse trennt, und sie hat es ebenso nicht: er wirft ihr vor, ihm den Mehrwert seiner Arbeit über den Arbeitslohn abzudrücken; aber sie drückt sich überhaupt von der körperlichen Arbeit, instinktiv fühlend, daß heutige Dingarbeit geistiges Leben erdrückt. Der wahrhaft Arbeitsscheue ist der Geistesmensch heut. Damit drückt er nicht nur Arbeit am rohen Naturstoff zu um so ungeistigerer Roheit herab: damit drückt er sich selbst aus dem Segen der Arbeit heraus. Arbeit an Natur ist tiefstes Bedürfnis des Geistes; der Kopf verdorrt, der nicht die Hand regt; selbst in der falschen Richtung der Arbeit an Natur als einer Ausbeutung bleibt dieser Segen und dieser Fluch. Der Nichthandarbeiter von heut ist entnatürlicht; er hat sich zum nur noch indirekten Menschen gemacht; weil er sich zum Leiter, Unternehmer, Organisator der Arbeit emporschwingen gewollt, fiel er außerhalb des Kraftkreises, der von N aturberührung ausgeht. Was sein ganzes Verhältnis zu Natur verderbt : zu Sentimentalität oder zu Sport. Was aber auch seine Geistesarbeit entgeistet: entweder muß er, um Arbeitsfreude zu behalten, seinen Begriff des zu Tuenden herabdämpfen von Seelenselbstbetätigung auf Ptliehttun, und muß Tätigkeit an sich, auch im verwirtschaftenden Betrieb, als Seelennahrung annehmen, oder, wenn er sich sein tieferes Seelenbedürfnis nicht verbirgt, die Uberflüssigkeit „reiner" Geistesarbeit gestehen, ihre Zwecklosigkett zum Zweck leitender Arbeit. Noch hat die Krankheit nicht alle Bahnen ergriffen, noch ist das Verhältnis zwischen Mensch und Ding nicht in jedem Punkte verderbt, noch lebt auch Arbeitsfreude, noch tut sich Handarbeit auch als Hirnja Herzarbeit, noch gibt es Geistesleitung, die selbst Arbeit ist, nicht nur

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