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Die Kreatur · 1929-01-01 · Heft 1 · page 98

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Kreatur
Volume
3 (1929-1930)
Issue
Heft 1
Date
1929-01-01
Page
– (sequence 98)
Language
German
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mehr, seine Leibesarbeit in das Kapital der Natur hereinzustecken, oder die Arbeit mit Werkzeugen zu tun, die bloß Verstärkung der Gliedmaßen des Leibes sind; er spielt die Naturkräfte gegeneinander aus, um seinen Ertrag aus der Natur zu erhöhen; er fängt sich ihre Kräfte - des Dampfes, der Elektrizität - ein, um mit ihnen sich ihre Stoffe zu beschaffen; ein wild-gefährliches Spiel! Weiß er, was er für Kräfte entbindet? Weiß er, was er anregt in Natur? Er entzweit die Natur, wirft sie wider sich selber und erzeugt einen Strudel, der leicht vieles verschlingt. Und die Gier nach Naturschätzen entzweit die Menschheit. Wer darf wagen zu leugnen, daß sie heut imstande sein könnte, eine Entdeckung von Kräften von solch rasender Gewalt, daß damit die Erde zersprengt werden könnte, nicht nur zu machen, sondern auch in einem Krieg des Hasses, wie es der letzte war, selbstvernichtend zu gebrauchen? Hat nicht eine Bangigkeit damals die Welt ergriffen, als sie sich an die Gewalten der Natur herangemacht und die Schleusen ihrer Kräfte aufzuwinden begonnen? Nein! Umgekehrt ein seliges Jauchzen. Die Zeit der schwärmerischen „Utopien" fing an, der „Sonnenstaat" schien angebrochen. Mit ungeheurer Geste langte der Arm der Meervölker über Ozeane und Kontinente, und auch das nüchterne Kleinbürgertum dankte mit erleichterter Brust, daß es nicht mehr nach Rom zu zinsen hatte, nicht mehr den Schweiß seiner Arbeit, ja die Arbeit selbst, für die Heilanstalt und die Heiligung herzugeben hatte. Der Opferdienst erlosch in der abendländischen Welt - oder wurde verbannt in dem sich der protestantischen Bürgererwerbs-Sittlichkeit immer mehr anbequemen müssenden Katholizismus zu einer Kirche, die nicht mehr Welt war, sondern neben der Welt lag - ich sage: der Opferdienst erlosch und es entrang sich kein Schrei des Entsetzens, daß die Flamme des Glaubens die Flammen der Werkopfer und damit auch sich selber auffraß! Daß der Altar der Erde kalt stand und zerfiel und das wirkliche Tun in Staub kroch, in Kohlen- oder Diamantenstaub, anstatt zum Himmel zu lodern! Wie furchtbar aber muß der Druck auf die Menschenseele gewesen sein, daß sie sich der Hingabe an Gott in ihrem Tatwerk entzog! Wie muß dieser Druck ihr Tun seelenwidrig oder, was ebenso gegen die Seele geht, leibwidrig verrenkt haben! Möncherei, Bettelei, Schmutz, Armut, Schwärmerei, scholastisches Leerdenken, Ubersehen der Wirklichkeit, geißlerische Massengeisteserkrankungen und jene tiefe Müdigkeit der auf dem 98

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