Die Kreatur
- Journal
- Die Kreatur
- Volume
- 3 (1929-1930)
- Issue
- Heft 1
- Date
- 1929-01-01
- Page
- – (sequence 97)
- Language
- German
- Belongs to
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seitige Weltgeschäftigkeit und Welttüchtigkeit? Katholische \\ erkheiligung hatte diese geschäftige Tüchtigkeit, Welt weltlich zu nehmen, einzunehmen, auszunehmen, von einseitiger Betätigung bisher abgelenkt. Der Protestant logierte seine Seele ganz in den Himmel, um seinen Geist und seine Hände ganz für die Erde frei zu kriegen, zu seelisch ungehinderter Erarbeitung der Naturschätze der Erde. Himmlische Berufung ward ihm irdischer Beruf, im heute üblichen geschäftlichen Sinne. Zwar ist der Protestantismus nicht der alleinige Träger dieser Naturgewino nungstendenz; sie wächst empor auch in den bloß renaissaru 'istischen, nicht reformatorischen, romanischen Landen. Aber er ist auch mehr, als nur etwa das Kleid; er ist ein energischer Wesensausdruck, und nur die theologische Fassung ist das Kleid, ist die Uberleitung, die diesen Trieb auf Natur zunächst noch als Trieb zu Gott darstellen mußte. Immer dünner ward die theologische scheingöttliche l mkleidung: über Luthers schwächlichen Versuch, die Göttlichkeit des Tuns zu retten als asketischen oder Liebesdienstes, oder wenigstens es gegen zu stark anschwellende Verirdischung zu neutralisieren durch Einklammerung des Gläubigen in die Bescheidenheit des je ihm gegebenen Berufsstandes und durch Einsperrung des materiellen Geschäftssinnes in die formale Betätigung der Berufstreue im kleinen, ging Calvin schon hinweg und setzt gerade in die Aktivität der, nun nicht mehr eng berufsständig gefaßten, weltlichen Betätigung die Vergewisserung des \ erbleibs in der Erwählungsgnade. Bis Franklin den Gotteswillen der Heiligung dahin ausdeutete, von einem Pfennig möglichst viel Zinsen zu nehmen, und bis neueste amerikanische Religionsstifter, wie der Chikagoer Dow ie( Elias III.), kurzweg Religion heißt Geschäft" definierten. In den lutherischen Landen hatte die Geschäftswelt auf die theologische Hülle überhaupt längst verzichtet; Kant hatte statt dessen den sittlichen Begriff der Ptlicht ausgeprägt. In den katholischen fehlte die theologische Hülle von vornherein. So gesehen ist der Protestantismus ein Abfall von Gott zum Einfall in Natur - ein Abfall der Tat, der sich als Glaubensaufschwung verbirgt. Der Eifer gegen katholische Werkfrömmigkeit w ill das \\ erk aus der Frömmigkeit herauseifern, um unfromm zu wirken. Jetzt brechen die Schranken der Ehrfurcht vor Natur, indem sie zugleich doch beinahe vergöttlicht wird (Rousseau). Der Protestantismus als Bürgen rwerb>- religion bringt das Zeitalter der Maschinen herauf. Er begnügt sich nicht 97