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Die Kreatur · 1926-01-01 · Heft 1 · page 93

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Kreatur
Volume
1 (1926-1927)
Issue
Heft 1
Date
1926-01-01
Page
– (sequence 93)
Language
German
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10-20 Mark für den Morgen, brachten. Niemand konnte von dem Tongelde satt werden, aber den Auszahlungstag hatten alle gern, und dieses Geld hatte eine verbindende Kraft, während das Geld der Viehhändler trennte. Viel wichtiger aber war es, daß von jetzt ab die Bergleute das Schwergewicht und die innere Regierung von Neusorge zu bilden begannen. Die Viehhändler hatten alle in Konkurrenz zueinander gestanden. Unter den Bergleuten gab es keine Konkurrenz. Das Dunkel der Grube umgab sie alle. Alle setzten bei jeder Einfahrt das Leben aufs Spiel. Not und Gefahr war ihnen gemeinsam. Eine Kameradschaftlichkeit wie sonst wohl bei keinem Stande entstand unter ihnen; sie ist wie eint gegenseitige Tröstung. Alle sagen sich Du und reden sich mit dem vertraulichen Vornamen an. Wo einer in der Frühschicht vor Ort arbeitet, da tritt in der Mittagschicht ein anderer hin und setzt die Arbeit dort fort, wo der erste stehengeblieben ist; und in der Nachtschicht ein dritter. Ein jeder muß für den Nächsten vorarbeiten; ein jeder übernimmt die Arbeitsstelle des vorigen. Auch das Arbeitsgerät ist gemeinsam. Nur die brennende Lampe nimmt ein jeder mit sich heim und bringt sie wieder. Gerade dieses Volk der unterirdischen Dunkelheiten bietet alle Frühmorgen und Spätabende der Erde ein zauberisches Volksbild. er abends um 10 Uhr auf der Straße von Neusorge nach Schlegel oder besser noch auf dem hochgelegenen Hofewege wandert, ist schon entzückt von dem Lichterglanz der Johannes-Baptista-Grube auf der Höhe zwischen Schlegel und Eckersdorf. Ein dunkles Gewirr von Gebäuden, Schornsteinen, Halden und Schächten am Tage, wird sie bei Nacht wie eine Erscheinung der Stadt Gottes auf dem Berge, das himmlische Jerusalem. Ringsumher die weite Berglandschaft, deren Dunkel vertieft wird durch das Funkeln der Lichterstadt. Dann aber glüht plötzlich ein Licht auf, mitten in der Landschaft, dann ein zweites, drittes. Dort am Habichthübel zwei, drei; vom Siehdichfür, über die Roterlehne, am Rand des Schneiderbauer Busches, bald sichtbar, bald verschwindend, überallher funkelt es. Die Bergleute gehen zur Nachtschicht. Wer sich von dem Zauber des Lichtes bis zum hohen Rand des Langen Grundes locken läßt, in dem der Einfahrtschacht der Tongrube ist, der merkt, daß hier ein echtes Volk sich versammelt. Alle Lichter strömen herbei. Man sieht nur Flammen, keine Menschen. Und sie nähern sich einander, führen eine unhörbare, aber aus den Bewegungen der Lampen erkennbare 93

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