Die Kreatur
- Journal
- Die Kreatur
- Volume
- 1 (1926-1927)
- Issue
- Heft 1
- Date
- 1926-01-01
- Page
- – (sequence 95)
- Language
- German
- Belongs to
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Gesteinsmassen, die das stärkste Gebälk biegen und zersplittern, kann den unreifsten Jungen an einem Tage zum Manne machen. Es ist zum Verwundern selten, daß einer nach seinen ersten Ausfahrten spricht: „Einmal und nie wieder!" Jeder Handwerksstatt entlaufen mehr Jungen als der Grube. In keiner stellt sich dem jungen Menschen Welt und Leben auf einmal so neu dar wie in der Grube. Das Schweigen ist die einzige Antwort, die der stummen Erde hier von den Menschen wird. Schweigen und Lernen! Es verdrießt die Bergleute, daß sie nicht zu den Handwerkern, sondern zu den „ungelernten" Arbeitern gerechnet werden, obwohl jeder eine harte Lehrzeit durchmachen muß und obwohl viele nicht auslernen bis ins Alter. Es gibt unter ihnen einen Meist erstand und einen Lehrlingsstand, auch wenn die Namen dafür nicht da sind. Die jungen Bergleute müssen sich von den älteren eine Erziehung gefallen lassen, die weit über die Grenzen der Arbeit und Schicht hinausgeht und ein bedeutender Teil der Volkserziehung wird. Da ist keine ausgeklügelte Methode. Ein Scherzwort wirkt mehr als eine ernste Belehrung. Den Bauernsohn, den jungen Handwerksmann kann kein Ubermut ankommen vor dem ernsten, schweigenden Mute des bergmännischen Kameraden. Wenn früher ein Bergmann von der Schicht kam, kohlschwarz sein Gewrand, sein Gesicht und seine Hände, schwer sein Schritt, die schwarze Lampe baumelnd in der Hand, mitten durch das Grün des Frühlings und den weißen Schnee des Winters, konnte niemand ohne eine ernste Berührung seiner Seele vorbeigehen. „Ein Bergmann, der von der Grube kommt!66 Nichts anderes bildete sich an Worten, aber Unsagbares an Ernst und Kraft bildete sich viel im Volke. Heute haben auch die -Neusorger Bergleute Waschgelegenheit in der Grube, und sie freuen sich darüber. Aber wenn es heißt: „Die Bergleute kommen!" da geschieht immer noch etwas in Leib und Seele des Volkes. Früher, als die tüchtigsten Vorhauer noch zu Steigern emporrücken konnten und trotzdem Kameraden blieben, hatten die Steiger etwas Patriarchenhaftes vor allem Volke, und das jetzt nicht mehr geliebte Lied: „Glückauf, glückauf! Der Steiger kommt! Er hat sein helles Licht bei der Hand . . .4# war ein beliebtes Volkslied. Den festen Stamm in den Schlegler Gruben bilden die Bergleute, die ein Häuslein und einige Morgen Acker haben und die Künste des Ackerbaues ebenso verstehen wie die des Bergbaues. Der Acker verbindet sie 95