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Die Kreatur · 1926-01-01 · Heft 1 · page 91

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Kreatur
Volume
1 (1926-1927)
Issue
Heft 1
Date
1926-01-01
Page
– (sequence 91)
Language
German
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das eine göttliche Mahl immer noch die Kraft, um nicht nur die einzelnen Teilnehmer, sondern auch das Volk zu ernähren. Es war noch das Brot der vielen; es war noch ein gemeinsames Mahl, Wein und Brot, „feste und flüssige Nahrung" (Justin), und die Empfangenden gaben sich alle den Friedenskuß. Und obwohl jetzt die Eucharistie oder die heilige Kommunion schon sehr stark eine Angelegenheit des Einzelnen ist - wer sie empfängt, umgibt sich mit heiliger Unnahbarkeit gegenüber nicht nur der Welt, sondern auch gegenüber dem Nachbarn, der neben ihm die Hände faltet so ist sie doch immer noch das Volkbildende für die Gemeinschaft, die man „das katholische Volk" nennt. Wenn jetzt in der Schmiede einer dem andern eine Zigarre schenkt oder einer für den ganzen Tisch eine Auflage bestellt oder ein kleines Gericht auftragen läßt - es geschieht dies keineswegs immer im Dienste der Trunk- und Freßsucht so weiß ich nicht, ob ich mich freuen oder kümmern soll über diesen allerletzten Uberrest der alten Eucharistie, über diesen verglimmenden Docht einer alten volkbildenden Kraft. Mit gemeinverständlichen Vorträgen hat man das Neusorger Volk bisher meist noch verschont. Dazu ist die Kopfzahl zu gering, und wenn einer einen gemeinverständlichen Vortrag halten will, tut er es doch eben nur für eine größere Anzahl von Köpfen. Die Neusorger würden auch nicht ohne weiteres zu einem solchen Vortrag gehen, wenigstens c? o 7 o das dritte und vierte Mal nicht mehr. Ja, wenn man sie selbst zum Reden bringen könnte! Wenn man auf sie ebenso aufmerksam und demütig zu horchen bereit wäre, wie sie selbst anfänglich zu horchen bereit sind! Wenn sie sich aber nur belehren lassen sollen, dann schlagen sie mit ihrer Hand am rechten Ohr vorbei, als wollten sie eine Mücke fangen oder wenigstens verjagen und sprechen: „Ach, das hat auch nicht viel Zweck." Da lob ich mir mehr als alles geistige Licht das elektrische Licht, das seit einigen Jahren unter dem kleinsten Neusorger Strohdach brennt. Niemand wollte uns mit elektrischem Licht versorgen. Da taten sich einige Männer zusammen, gingen von Haus zu Haus, zogen mit einer Kette von Mühseligkeiten die einzelnen Besitzer von Neusorge, Siehdichfür und Neubuchau zusammen. Es wurde, es wurde nicht, es wurde doch. Da habe ich zum ersten Male die Neusorger Männer zusammen gesehen, nicht nur in der Schmiede bei den Beratungen, sondern dann 91

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