Mannheim
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486
19261929
  1. 1926-01-01 · Heft 1 · page 61

    Fragen vor1). Der Primat der heilenden Funktion, der Logotherapie, verändert also grundlegend den Charakter des geistigen Weges „Lehre** im Verhältnis zu dem, was gemeinhin in der Neuzeit als „Lehre der Wissenschaft" (übrigens zum Glück vie…

  2. 1926-01-01 · Heft 1 · page 62

    minderwertig, willkürlich; höflicher ausgedrückt: ungeschichtlich. Denn sie gießen sich in eine Erscheinungsform, die sie unkenntlich macht nach ihrem Ursprung, ihrem Sinn, ihrer Bedeutung und Begrenzung. Soweit sie Werbekraft entfalten, di…

  3. 1926-01-01 · Heft 1 · page 63

    Bünden von gestern, von heute und von morgen hindurchsteuern muß und die deshalb die einen als Führer, die anderen als Lehrer einsetzen muß, um nicht mit jeder Generation vor dem Nichts, vor dem Weltkrieg, vor der Weltrevolution, vor dem Ch…

  4. 1926-01-01 · Heft 1 · page 64

    liehen Mittelalters. Zivil und Militär, Akademiker und Offizier im modernen Europa sind die Pfeiler des weltlichen Staates, Die Nahrung des kirchlichen Lehrers von Abälard bis Luther ist die Theologie der Antike; die des Akademikers von Mar…

  5. 1926-01-01 · Heft 1 · page 65

    Die Gleichordnung von Zivil und Militär für die Volksordnung läßt sieh nicht länger behaupten, gerade weil der Vorrang des Militärs sich in diesem Kriege noch einmal in grandiosem Umfang aus- und zu Ende gewirkt hat. Wenn unsere Generalstäb…

  6. 1926-01-01 · Heft 1 · page 66

    wo heute noch geheime Sehnsucht die blinde Natur durch die Lehre lösen und binden lassen möchte. Ergreift aber die Lehre ihre überzeitliche Aufgabe nun ganz, so wird sie der einzige Stamm des Menschengeschlechts durch die Zeiten, so werden …

  7. 1926-01-01 · Heft 1 · page 67

    Greis erreicht noch eine dritte Station. Dies liefert den Schlüssel zur Eigenart der Lehre, die immer zwischen mindestens drei Generationen im Volke sich behaupten muß. Mehraltrig muß sie sein, um Jugend, Mannesalter und Greisentum zu umkla…

  8. 1926-01-01 · Heft 1 · page 68

    Da werden es die leisen Schwingungen einer neuen, vergeistigten Führung, die stammelnden Worte einer neuen, für Männer bestimmten Lehre, die den entseelten Helden des Reiches neu ins Leben rufen. Vor dem Kriege ist die Jugendbewegung aufgeb…

  9. 1926-01-01 · Heft 1 · page 69

    VIKTOR VON WEIZSÄCKER DER ARZT UND DER KRANKE Stücke einer medizinischen Anthropologie In dem Wortkampfe zwischen Sokrates und Thrasymachos, …

  10. 1926-01-01 · Heft 1 · page 70

    dies ein „freies" wurde (Psychologie setzt jedenfalls die freie Beweglichkeit des Psychischen gegenüber dem materiellen Umweltgeschehen voraus) : als Vertreter eines „freien Berufs" bleiben die Ärzte ohne Kontrolle berufsständischer oder bü…

  11. 1926-01-01 · Heft 1 · page 71

    griff und die Kritik der Medizin von einem staatlichen, ständischen oder soziologischen Oberbegriff, vom Wesen einer Gesellschaft oder Gemeinschaft aus näher zu bestimmen, ganz von selbst auf andere Seinsschichten oder -Sphären hin, wenn es…

  12. 1926-01-01 · Heft 1 · page 72

    außer Betracht bleiben können. Aber nur so weit wird dies geschehen, als wir unserem soeben angedeuteten Ziele damit dienen. Der Versuch, das Ziel unter dem Titel einer „medizinischen Anthropologie" zu verfolgen, darf danach nicht das Mißve…

  13. 1926-01-01 · Heft 1 · page 73

    Gegenstand einer Anwendung von Erkenntnissen naturwissenschaftlicher, psychologischer Art, seine Personalität ist hier aufgefaßt als eine individuelle Ganzheit, als ein Gefüge von „Vitalreihen", Merkmalen und Kräften; er ist hier Spezies, n…

  14. 1926-01-01 · Heft 1 · page 74

    hat das einzelne Bestand, nur in ihm kann sein Wesen erkannt werden. Trotzdem ist zu erwarten, daß eine medizinische Anthropologie mindestens vier Hauptstücke im Sinne jener Gliederung enthalten wird, und der erste Gewinn, den wir aus diese…

  15. 1926-01-01 · Heft 1 · page 75

    sind. Ich gehe in der Handlung weiter, als ich in der Erkenntnis darf, und strafe so die Moral meiner Erkenntnis Lügen. Ich operiere, wiewohl ich doch nicht objektiv weiß, nein, objektiv nicht weiß, ob die Operation glücken wird. Statt in d…

  16. 1926-01-01 · Heft 1 · page 76

    Der bloße Hinweis auf die Existenz des mit der „Praxis'6 sich vermischenden Menschen (Arztes) würde also, wie sich hier zuletzt zeigt, nicht genügen, um jene falsche Struktur zu widerlegen; denn als bloße Existenz, d. h. als Vitalexistenz i…

  17. 1926-01-01 · Heft 1 · page 77

    daß das Forschen und Wissenwollen zum Raub am Wohl des Kranken wird. Alle kennen den gefährüchen Doppelsinn des Wortes „verstehen**. Wir verstehen die Krankheiten, aber wir verstehen dadurch nicht die Not der Krankheit und nicht was dem Kra…

  18. 1926-01-01 · Heft 1 · page 78

    Was also bedeutet jene auch von uns aufgenommene Redeweise von der so wünschenswerten Hinwendung zum „kranken Menschen"? Jedenfalls nicht den Abbau der in einem sehr ernsten und wertenden Sinne zur Technik gewordenen Naturwissenschaftlichke…

  19. 1926-01-01 · Heft 1 · page 79

    sagt, das Gehirn denke, nicht ich. Indes wurde hinzugefügt, dies sei Materialismus und der sei überwunden. Und doch; die Paralyse des Gehirns wird erklärt als eine Vernichtung von Gewebe und sie führt zur Aufhebung des Denkvermögens. Und üb…

  20. 1926-01-01 · Heft 1 · page 80

    Jemand verstand; ganz ungedacht, ganz unbedacht verstand ich ihn, und ich sah ihm auch gleich an, daß er leidend aussah, auch ohne vorher oder dabei etwas zu denken. Mein Satz muß also wohl besser lauten: ich verstehe jemanden, also ist er.…