Mannheim
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  1. 1915-05-01 · Heft 5 (Mai 1915) · page 44

    …at das Judentum einen schweren Verlust zu beklagen. Wie den Lesern inzwischen aus der Tagespresse bekannt geworden, hat Abraham Berliner זצ״ל sein reichgesegnetes Leben beschlossen. Wenn auch hier nach dem Bibelwort ״die Garbe zu ihrer Zeit eingebracht wur…

  2. 1915-06-01 · Heft 6 (Juni 1915) · page 1

    Testfjurun 2. Jahrgang Siwan-Tammus 5675 Der ewige Friede, Die ungeheuere Erregung, die jetzt die ganze Kulturwelt durchzittert, hat alle Erörterungen über die Menschheitsideale zum Schweigen gebracht. Das entbindet aber keinen, der es mit …

  3. 1915-06-01 · Heft 6 (Juni 1915) · page 2

    246 Der ewige Friede. I Sehen wir zunächst von jeder spezifisch religiösen Wertung der Friedensidee ab und fragen wir: Ist der ewige Friede an sich ein erstrebenswertes Ziel, so lauten schon auf diese erste Frage die Antworten verschieden. …

  4. 1915-06-01 · Heft 6 (Juni 1915) · page 3

    Der ewige Friede. 247 ]Fundament des Staates der Krieg, das gemeinsam vergossene Blut das stärkste und dauerndste Bindemittel. Jedem siegreichen Kriege folgt eine ungeahnte Blüte wirtschaftlichen Fortschritts und erhöhter geistiger Kultur. …

  5. 1915-06-01 · Heft 6 (Juni 1915) · page 4

    248 Der ewige Friede. Beweise sich die Wage halten, ja daß die beiden Parteien zumeist aneinander vorbeireden, der Eine an das Glück und Unglück des Einzelmenschen, der andere an das Wohlergehen der Gesamtheit denkt, der Eine unter dem Eind…

  6. 1915-06-01 · Heft 6 (Juni 1915) · page 5

    Der ewige Friede. 249 Wirkung geistiger Regungen und ebenso Ursache sittlicher Gesamtentwickelung. Und Lasson — für den Kenner seiner Weltanschauung ein sehr merkwürdiges Bild — geht hier Arm in Arm mit den Ethikern aus der Schule Darwins, …

  7. 1915-06-01 · Heft 6 (Juni 1915) · page 6

    250 Der ewige Friede. sein würde. So seltsam uns jetzt die Lektüre der Aufsätze und Schriften, die aus der Friedensbewegung entsprungen sind, berührt, so wunderlich uns die Argumente erscheinen, die dort beigebracht werden und die doch durc…

  8. 1915-06-01 · Heft 6 (Juni 1915) · page 7

    Der ewige Friede. 251 Völker als Ganzes nicht besser als die Individuen sind. Und wie irgend eine größere Gemeinschaft vor Rechtsverletzungen nur durch die mit entsprechender Macht ausgestattete Staatsgewalt geschützt werden kann, so die Me…

  9. 1915-06-01 · Heft 6 (Juni 1915) · page 8

    252 Der ewige Friede. menschlichen Denkens nicht restlos zu erfassen sind. Aber sie kann nicht wider vernünftige Lehrsätze aufstellen, Sätze, die in sich einen Widerspruch enthalten. Ein solcher Satz wäre die Lehre von der Herrschaft des ew…

  10. 1915-06-01 · Heft 6 (Juni 1915) · page 9

    Der ewige Friede. 253 des Universalismus über den ewigen Frieden noch ein anderer geradezu klassischer erbracht werden. Die einzige Stelle, wo von dem ewigen Frieden in schlichter Rede ohne eschatologisches Beiwerk die Rede ist, ist Micha I…

  11. 1915-06-01 · Heft 6 (Juni 1915) · page 10

    254 Der ewige Friede. Die Feindesliebe als Grundlage des Verhaltens aller zu allen ist eine solche Forderung, und darum hat der Pentateuch nicht diese, sondern die Nächstenliebe als Religionsgesetz verkündet. So kann auch das Judentum den e…

  12. 1915-06-01 · Heft 6 (Juni 1915) · page 11

    Der ewige Friede. 255 III Gibt es nun für das jüdische Empfinden gar keinen Ausweg aus dem Wirrsal? 1. Die einzige Möglichkeit zur Klärung der Frage ist hier, wie so oft, uns gegeben, wenn wir den Gesamtgeist des Judentums befragen. Wenn wi…

  13. 1915-06-01 · Heft 6 (Juni 1915) · page 12

    rungen des Heldentums, der Herrsehertugend das Grundmotiv die Verherrlichung des idyllischen Friedens. Wir wissen wohl, daß man außerordentlich viele Stellen anführen kann, die auf den Grundton gestimmt sind: ״Gepriesen sei der Ewige, mein …

  14. 1915-06-01 · Heft 6 (Juni 1915) · page 13

    Der ewige Friede. 257 nachrichten berauschen oder die, selbst wenn sie in irgend einer Weise in den Organismus der Kriegsführung eingereiht sind, nicht die Gelegenheit haben, das Grausige der Einzelheiten wahrzunehmen. Sie würden zu einer a…

  15. 1915-06-01 · Heft 6 (Juni 1915) · page 14

    258 Der ewige Friede. wäre, ist wahrscheinlich. Ein solch dauerndes Glück ohne innere Bewegung ist für uns auch unvollstellbar. Aber in welchen Formen diese Bewegung sich vollzogen hätte, das auszudenken ist für uns unmöglich. End endlich a…

  16. 1915-06-01 · Heft 6 (Juni 1915) · page 15

    Der ewige Friede. 259 Pazifisten einnehmen. Fern sei es von 11ns, diese Bestrebungen an sich verächtlich zu machen. Eine große Summe idealer und selbstloser Arbeit im Dienste der allgemeinen Menschenliebe ist hier zutage getreten. Und wenn …

  17. 1915-06-01 · Heft 6 (Juni 1915) · page 16

    260 Der ewige Friede. 3. Der Friede unter den Völkern ist ein Glück, und dies Glück wird der Menschheit zuteil, wenn sie die Stufe der höchsten Vollkommenheit errungen. Das ist׳, wie wir gesehen, der Sinn der jüdischen Auffassung vom ewigen…

  18. 1915-06-01 · Heft 6 (Juni 1915) · page 17

    …heit gibt, daß das Leben der Menschheit einem bestimmten Ziele zustrebt, daß ihr Ideal einmal Wirklichkeit werden wird. Hermann Cohen wirft in seiner ״Ethik “ die Frage auf, wie wir uns das Problem der Verwirklichung des Sittlichen denken können, wenn d…

  19. 1915-06-01 · Heft 6 (Juni 1915) · page 18

    …cheln tragen. Die Theorien und Lehrsätze, die von ihnen aufgestellt werden, können ebensowenig bewiesen werden. Und mit Maimonides (More Nebuchim 11.22) halten wir es im Zweifelsfalle mit der Überlieferung unserer Väter. Was den neuen Lehren über Auf…

  20. 1915-06-01 · Heft 6 (Juni 1915) · page 19

    Die Selbstüberwindung Josephs. 26^3 sie dann die Nichtanwesenheit ihres Hausgesindes als günstige Gelegenheit benutzt, um von ihrem Diener durch den Zwang zu erreichen, wozu er nicht freiwillig sich ihr fügen will, wie er sich dann losreißt…