Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 2 (1915)
- Issue
- Heft 6 (Juni 1915)
- Date
- 1915-06-01
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2292929-2292942-2292949--00772-2294016- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Der ewige Friede. 255 III Gibt es nun für das jüdische Empfinden gar keinen Ausweg aus dem Wirrsal? 1. Die einzige Möglichkeit zur Klärung der Frage ist hier, wie so oft, uns gegeben, wenn wir den Gesamtgeist des Judentums befragen. Wenn wir nicht einzelne Stellen heranziehen, aus einzelnen Begebenheiten schließen, sondern aus der Summe alles dessen, was an Lehren ausgesprochen und an Anschauungen sich kundgibt, gleichsam das Mittel ziehen. Da ist das eine: Der Grundzug des jüdischen Lebens wird im friedlichen Wirken gesehen. Das gilt nicht bloß für die Jahrtausende des Exils, in denen man nach dem eben mitgeteilten Urteil vielleicht aus der Not eine Tugend machte. Daß Jakobs Waffe das Gebet und Esaus das Schwert. הקול קיל יעקב והידים ידי עשר, das bleibt immer der Grundton, der uns auch aus der Bibel entgegenklingt. Y on denbeiden Söhnen Abrahams ist Ismael der Bogenschütze, der Wilde, dessen Hand gegen alle erhoben ist, und Isaak das erwählte Opferlamm, den höchsten Grad der Selbstentäußerung erringend. Und von Isaaks Söhnen ist Esau der Jäger, dem es auch für alle fernere Zeit bestimmt wird, von seinem Schwerte zu leben, und Jakob der schlichte Zeltenbewohner, welcher der Segnungen des Friedens auch in Zukunft teilhaftig werden soll. In den Verkündigungen an die Stammväter wird nie auf die kriegerische Eroberung Nachdruck gelegt. Eine Sklavenhorde zieht aus Ägypten und nur wunderbare Hilfe, der Engel, der vorauszieht, soll die Völker aus dem gelobten Lande vertreiben. In der Eroberung und Besiedelung des Landes, in allen Kämpfen gegen die umgebenden Völker, in dem ganzen Verlauf der politischen Geschichte tritt Israel niemals als ein vorwiegend kriegerisches Volk auf mit dem Anspruch, sein Beich ins Unbegrenzte zu dehnen, ein Weltreich zu gründen. Der Heldensang der De'borah, das Klagelied Davids auf den Tod Sauls und Jonathans, sie gelten den fiettern und Befreiern von fremdländischem Druck. In dem ״Segen Jakobs“, in den ״Bileamsliedern“ ist bei allen Schilde-