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Jeschurun · 1915-06-01 · Heft 6 (Juni 1915) · page 16

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
2 (1915)
Issue
Heft 6 (Juni 1915)
Date
1915-06-01
Page
– (sequence 16)
Language
German
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260 Der ewige Friede. 3. Der Friede unter den Völkern ist ein Glück, und dies Glück wird der Menschheit zuteil, wenn sie die Stufe der höchsten Vollkommenheit errungen. Das ist׳, wie wir gesehen, der Sinn der jüdischen Auffassung vom ewigen Frieden. Aber das Judentum hat noch eine wichtige Ergänzung dieses Gedankengangs in seinen Lehrgehalt aufgenommen. Wohl ist es die Aufgabe des Menschen, diese Zeit des Glückes durch seine Arbeit heraufzuführen, aber unabhängig von dem Tun des Menschen, auch dann, wenn er dieser Aufgabe im Laufe der Jahrtausende nicht gerecht wird, soll der Tag des Glückes kommen zu einer von Gott bestimmten Frist. Wie verschieden auch in der Bibel die messianische Zeit und die Art ihres Herannahens geschildert wird und welche Fülle von Merkmalen man aus den Verheißungen der Propheten auch zusammenstellen könnte — Abarbanel hat es in seinem Werke מצמיח ישועה versucht — der eine Gedanke zieht sich durch alle ihre Worte, daß die völlige Hinwendung zu Gott dieErfüllung der messianischen Zeit wohl beschleunigen wird, daß diese aber kommen muß: ״Wenn sie auch zögert, harre ihrer, kommen muß sie, sie bleibt nicht aus.“ Wie das unsere Weisen in die knappen Worte gefaßt ״ .בעתה אחישנו זבו אחישנו לא זבו בעתהWenn sie es verdient, dann will ich’s beschleunigen, wenn nicht, dann kommt es zu seiner Zeit.“ Es ist klar, daß die Erfüllung ״am Ende der Tage“ unmöglich als ein unverdientes Geschenk an die Menschheit gedacht sein kann, das ihr zur bestimmten Frist in den Schoß fällt. Unendliche Leiden gehen dieser Zeit voraus. Und diese Leiden, die in ihrem Riesenausmaß ans Wunderbare grenzen, werden auch die wunderbare Wirkung haben, daß sie im Sturme vollbringen, was der ruhigen Entwickelung nicht gelang: Die Läuterung des Menschengeschlechts und ihre völlige Rückkehr zu Gott. Bibel und Apokryphen, Talmud und Midrasch, Exegese und Philosophie des Mittelalters in rationalistischem und mystischem Gewände haben das alles mit glühenden Farben ausgemalt. Widerspruchsvolles und Seltsames läuft da unter.

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