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Jeschurun · 1915-06-01 · Heft 6 (Juni 1915) · page 6

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
2 (1915)
Issue
Heft 6 (Juni 1915)
Date
1915-06-01
Page
– (sequence 6)
Language
German
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250 Der ewige Friede. sein würde. So seltsam uns jetzt die Lektüre der Aufsätze und Schriften, die aus der Friedensbewegung entsprungen sind, berührt, so wunderlich uns die Argumente erscheinen, die dort beigebracht werden und die doch durch die Ereignisse unserer Zeit so völlig Lügen gestraft werden — es gibt verständige und unterrichtete Menschen, die an ihre Beweiskraft glauben. Wir können uns vorstellen, wie längere Zeit nach dem Kriege, wenn die Erinnerung an die Schauder des Erlebten geschwunden, diese Beweisführungen sich wieder Anerkennung verschaffen werden. Ist es nötig, die entgegengesetzte Anschauung hier noch näher auseinanderzusetzen? Wer gewöhnt ist, den Dingen näher auf den Grund zu gehen, hat die Schriften Bertha von Suttners nie anders genommen als gutgemeinte Dichtungen. Und es ist nur nicht zu begreifen, daß eine so kluge Denkerin, die dem Redensartlichen und der Oberflächlichkeit der Durchschnittsmenschen so abhold war, die sie so prachtvoll in ihrem Werke ״Die Tief innersten“ verspottet hat, keinen Blick hatte für die geringe Tiefe ihrer eigenen Ausführungen in ihrer Hauptschrift ״Die Waffen nieder“. Daß sie so sehr den Anlaß der Kriege mit der Urs ache verwechselte und aus der Verhältnismäßig geringfügigen Bedeutung des jemaligen letzten Anstoßes das Beweismaterial beibringt für die Vermeidbarkeit der Kriege. Aber auch die Vorkämpfer der Friedensbewegung, die diesen ersten Fehler vermeiden und die Verständnis haben für die tiefer liegenden Ursachen der Kriege, erweisen sich als Schwärmer, wenn sie die Meinung verfechten, die Entwickelung würde dahin führen, daß die Kriege immer seltener würden und zuletzt ganz aufhörten und man könne die Weltgeschichte durch die Förderung der Friedensbewegung im wesentlichen beeinflussen. Man mag die Ursachen der großen Kriege aus der Rivalität der Dynastien, aus dem innerpolitischen Interesse absolutistisch regierter Reiche, aus dem mangelnden Verantwortlichkeitsgefühl der Leiter von Republiken, aus nationalistisch aufgewühlten Leidenschaften, aus entscheidenden Wirtschaftsfragen ableiten — immer bleibt das eine bestehen, daß die

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