Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 2 (1915)
- Issue
- Heft 6 (Juni 1915)
- Date
- 1915-06-01
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Testfjurun 2. Jahrgang Siwan-Tammus 5675 Der ewige Friede, Die ungeheuere Erregung, die jetzt die ganze Kulturwelt durchzittert, hat alle Erörterungen über die Menschheitsideale zum Schweigen gebracht. Das entbindet aber keinen, der es mit seinem religiösen Denken und Fühlen ernst nimmt, von der Pflicht, sich darüber Rechenschaft abzulegen, ob die Ereignisse dieser Zeit und die Art, wie er sie mit seinem Empfinden begleitet, den Grundideen seiner Religion entsprechen. Dieser Weltkrieg scheint im schärfsten Widerspruch zu stehen zu dem Ideal des ewigen Friedens. Nun gilt aber einerseits der ewige Frieden als eine Grundidee des Judentums. Und andererseits nehmen wir leidenschaftlich Anteil an dem Verlauf dieses Krieges, erhoffen aus dem Ende eine gewaltige Steigerung der deutschen Kraft, bejahen also recht eigentlich den Wert der männermordenden Schlachten. Die Lösung dieses Zwiespaltes zwischen Religion und Patriotismus, der ja auch in anderen Punkten zutage tritt, soll in folgendem für das Problem des ewigen Friedens versucht werden. Wir werden sehen, daß dieser Zwiespalt nur deshalb als solcher empfunden wird, weil über die Grundgedanken des Problems Unklarheit herrscht, und wir werden zu dem Resultate gelangen, daß die landläufigen Erörterungen über den Wert des Krieges und den des dauernden Friedens in sich widerspruchsvoll sind. Wir wollen dann zu zeigen versuchen, inwiefern die Lehre des Judentums die Lösung dieser Widersprüche zu bringen vermag. 17