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Jeschurun · 1915-06-01 · Heft 6 (Juni 1915) · page 4

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
2 (1915)
Issue
Heft 6 (Juni 1915)
Date
1915-06-01
Page
– (sequence 4)
Language
German
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248 Der ewige Friede. Beweise sich die Wage halten, ja daß die beiden Parteien zumeist aneinander vorbeireden, der Eine an das Glück und Unglück des Einzelmenschen, der andere an das Wohlergehen der Gesamtheit denkt, der Eine unter dem Eindruck der fürchterliehen Erlebnisse schreibt, wie sie die Kriegsführung mit sich bringt, der Andere im Banne der erhebenden Ereignisse steht, die mit einem Kampf um gewaltigeZieleuntrennbar verknüpft sind. 2. Aber lassen wir auch diese Frage unentschieden, so tritt die zweite an uns heran: Ist der ewige Friede an sich eine sittliche Forderung, ist er eines der Ziele oder gar das Hauptziel der Ethik. Diese Frage ist aufzuwerfen ganz unabhängig von den Erörterungen darüber, ob der Weltfriede für die Menschen das rechte Glück bedeutet. Nur für eine rein utilitaristische Ethik, die als Ziel ״das größte Glück Aller“ hinstellt, müßte der ewige Friede, weil in ihm das größte Glück Aller verbürgt ist, eine unbedingte sittliche Forderung sein. Für jede andere Ethik, der dies Nützlichkeitsprinzip fremd ist, bleibt die Frage offen. Sie hat auch hier eine verschiedenartige Beantwortung gefunden. Die Vorläufer der Aufklärungsperiode bis zu ihrem größten Vertreter und Überwinder, bis Kant verherrlichen den Universalismus, das Ideal der Humanität, sehen in der Gesamtmenschheit das Objekt des ethischen Handelns auch des einzelnen und verkünden darum den ewigen Frieden als ein Ideal, dem wir nachzustreben haben. Ihnen pflichten namhafte Vertreter der Sozialethik bei, die von anderen philosophischen Grundgedanken ausgehend zu dem gleichen Resultat gelangen. Ebenso verfechten bekannte ethische Werke der neueren Zeit, wie die von Höffding. Runze und Wundt die Forderung des ewigen Friedens als eines sittlichen Endziels. Ihnen tritt eine andere Gruppe entgegen, die sich aus den verschiedenartigsten Elementen zusammensetzt. Nach Hegel ist der Krieg eine notwendige Einrichtung der Weltvernunft, nach Lasson ein Kampf geistiger Mächte. Die Staaten kämpfen um Ideen, um überindividuelle Güter. Der Krieg ist eine

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