Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 2 (1915)
- Issue
- Heft 6 (Juni 1915)
- Date
- 1915-06-01
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Der ewige Friede. 247 ]Fundament des Staates der Krieg, das gemeinsam vergossene Blut das stärkste und dauerndste Bindemittel. Jedem siegreichen Kriege folgt eine ungeahnte Blüte wirtschaftlichen Fortschritts und erhöhter geistiger Kultur. Und auch das besiegte Volk erfährt eine innere Umwandlung und einen energischen Antrieb, die schlaff gewordenen Glieder wieder anzuspannen, seine Kräfte zu sammeln und mit größerer Aussicht auf Erfolg im Wettstreit der Nationen nach der Palme zu ringen. Das Leid des einzelnen muß vor dem Segen, den die Gesamtheit erfährt, verschwinden. Die Greuel des Krieges sind nur eine besonders stark in die Augen fällende Schattenseite der unendlich reichen Fülle des Lichts, die der Menschheit durch den Krieg gespendet wird. Weit entfernt, daß der Krieg die Kasse degeneriert, ist er umgekehrt ein Hauptmittel des Aufstiegs der überlegenen Kasse, das großartigste Instrument der natürlichen Zuchtwahl innerhalb der Menschheit. Der Mensch ist nicht bloß ein nationalökonomisch zu wertender Faktor im Leben der Völker und darum der Verlust nicht nach wirtschaftlichen Gesichtspunkten zu beurteilen. Die Sittenlehrer aber dürfen sich letzten Endes über den Krieg nicht beklagen. Denn durch die Betätigung der ״weiblichen Tugenden“ der Nächstenliebe, der Barmherzigkeit, der Friedfertigkeit und des Mitleids verkümmert ein Volk. Nur die Tapferkeit und der Todesmut. wie sie im Kriege zutage treten, machen das Volksleben allein lebenswert. Aber nicht nur die spezifischen Tugenden des Krieges, alle edlen Eigenschaften des Menschen steigern sich in ungeahntem Umfang während eines Krieges. Und man kann sagen, daß der Erdball in einen großen Tempel der Selbstsucht sich verwandeln würde in dem Augenblick, wo der ewige Friede zur Wirklichkeit würde. Wir könnten Bände schreiben, wollten wir alle Argumente bringen, die die Vorkämpfer der Friedensbewegung und die Lobredner des Krieges ins Feld fuhren. An dieser kleinen Blutenlese mag es genügen. Jeder unbefangene Beurteiler erhält aus der Lektüre der in Betracht kommenden Schriften den Eindruck, daß die Frage nicht zu entscheiden ist, daß die 17*