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Jeschurun · 1915-06-01 · Heft 6 (Juni 1915) · page 13

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
2 (1915)
Issue
Heft 6 (Juni 1915)
Date
1915-06-01
Page
– (sequence 13)
Language
German
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Der ewige Friede. 257 nachrichten berauschen oder die, selbst wenn sie in irgend einer Weise in den Organismus der Kriegsführung eingereiht sind, nicht die Gelegenheit haben, das Grausige der Einzelheiten wahrzunehmen. Sie würden zu einer anderen Anschauung sich bekehren, wenn die Möglichkeit vorhanden wäre, daß jeder von ihnen Zeuge würde des millionenfachen Leids, in dem der ganzen Menschheit Jammer sich kundgibt. Wenn sie selber das tagelange Schreien der Russen gehört hätten, als diese in den Sümpfen Masurens versanken und nicht leben noch sterben konnten. Wenn man sie in die Lazarette führte, dorthin, wo nicht die Leichtverwundeten freundlich lächelnd sich ergehen, sondern wo in wildenSchmerzenslauten dieSterbenden sich auf ihrem Lager wälzen. Wenn sie die Blinden besuchten und in die Irrenhäuser gingen und sähen, wieviel menschlicher Geist hier für immer zerstört worden. Wenn sie bei jeder der Mütter wären in dem Augenblick, als diese die Nachricht empfing, daß der dritte oder gar der vierte Sohn gefallen. Wenn sie zu den Frauen gingen, die, von einer Schar kleiner Kinder umgeben, verzweifelt die Hände rangen und hoffnungslos ins Leere starrten. Daß der Krieg, wie wir oben ausgeführt, auch nach jüdischer Auffassung aus dem Leben der Völker nicht getilgt werden kann, daß er, wie von den Gegnern der Friedensbewegung betont wird, oft die segensreichsten Folgen hat, hindert nicht, daß er an und für sich ein furchtbares Unglück, ein schwerer Fluch ist. Beim Sündenfall wird dem ersten Menschen verkündet: Im Schweiße deines Angesichts sollst du Brot essen. Nie konnte es zweifelhaft sein, daß diese Bestimmung die Vorbedingung für jeden Fortschritt des Menschen ist, wenigstens in einer Welt, wie sie jetzt von Gott geordnet ist. Ist diese Verkündigung in der Bibel darum nicht als Fluch gedacht? Soll sie nicht eine Strafe sein?! Welche Gestaltung die Entwickelung des Menschengeschlechts ohne den Sündenfall angenommen, wie der Mensch die ihm von Gott gestellte Aufgabe im Laufe der Zeiten erfüllt hätte, das wissen wir nicht. Daß er nicht für immer in dem Stillstand paradiesischen Glücks verharrt

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