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Jeschurun · 1915-06-01 · Heft 6 (Juni 1915) · page 2

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
2 (1915)
Issue
Heft 6 (Juni 1915)
Date
1915-06-01
Page
– (sequence 2)
Language
German
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246 Der ewige Friede. I Sehen wir zunächst von jeder spezifisch religiösen Wertung der Friedensidee ab und fragen wir: Ist der ewige Friede an sich ein erstrebenswertes Ziel, so lauten schon auf diese erste Frage die Antworten verschieden. 1. Die Einen verweisen auf die Greuel des Krieges, auf das namenlose Leid, das er für den einzelnen im Gefolge führt, auf die ungeheuren Wunden, die er auch dem siegreichen Volke schlägt. Sie zeigen uns, daß das starke Volk von heute infolge ruhmreicher Kriege das dekadente Volk von morgen ist. weil die stärksten und tüchtigsten Männer dem Kriege zum Opfer fallen und nur die schwachen und für den Aufstieg der liasse wertlosen Volksglieder übrig bleiben. Wie denn das fra-11zösische Volk seinen Niedergang dem riesengroßen Verlust an Menschen verdanke, den dienapoleonischen Kriege gefordert haben. Die Vertreter der Nationalökonomie belehren uns darüber, daß der Krieg für jedes Volk ein schlechtes Geschäft sei. Der Wert des einzelnen M enschenlebens repräsentiere heutzutage ein solches Kapital, daß die Höhenentwickelung nur durch die Menschenökonomie durch die sparsamste und rationelle Ausniitzung eines jeden einzelnen gewährleistet sei. Die Sitten־ lehrer beklagen die Verwahrlosung der einzelnen und den Zusammenbruch der idealen Werte, wie er im Verlaufe und im Gefolge des Krieges zutage tritt. Aber da kommen die anderen und beweisen uns das Gegenteil. Die friedliche Arbeit sei zwar die Mutter, aber der Krieg der Vater aller Dinge. Alle Kultur ist dem Kampfe entsprungen. Der Staatsgedanke der alten Zeit den Kriegen des Römertums, der des Mittelalters den Kriegen Karls des Großen und seiner Nachfolger. Die Geistesfreiheit ist ein Produkt des Dreißigjährigen Krieges, die .Bürgerfreiheit erwuchs aus den napoleonischen Kriegen. Der Krieg allein entfaltet auch eine einheitbildende Kraft, ohne die ein Volk sieh in innerem Unfrieden verzehren würde. So ist das sicherste

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