Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 2 (1915)
- Issue
- Heft 6 (Juni 1915)
- Date
- 1915-06-01
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Der ewige Friede. 251 Völker als Ganzes nicht besser als die Individuen sind. Und wie irgend eine größere Gemeinschaft vor Rechtsverletzungen nur durch die mit entsprechender Macht ausgestattete Staatsgewalt geschützt werden kann, so die Menschheit vor der Anzettelung eines Krieges nur dann, wenn alle Völker eine Einheit bilden und aus sich organisch eine Institution geschaffen haben, die jeden Eingriff des einen Volkes in die Interessen- Sphäre des anderen straft. Was sagen wir Interessensphäre? Es dürfte keine Habgier, kein Neid, keine Rachsucht, keine Rauflust irgend eines dieser Völker befallen. Denn gerade unsere Zeit hat es gelehrt, daß nicht letzte Lebensinteressen, sondern Leidenschaften der Völker einen Weltkrieg zu entflammen vermögen So würde, selbst die törichte Illusion angenommen, es gelänge, einen Staatenbund zu organisieren, der alle Völker umfaßte, über kurz oder lang ein Bürgerkrieg ausbrechen, in dem sich die Glieder des geschaffenen Ganzen gegenseitig zerfleischten. Nein, der ewige Friede kann nur wirklich werden, wenn das Böse aus der Welt getilgt ist• Eine Welt aber, in der das Böse, das moralische Übel fehlt, kann nicht als Stätte menschlichen Wirkens vorgestellt werden. II Wie stellt sich das Judentum zu diesen Anschauungen? 1. Wir beginnen mit dem Letzten. Ist es jüdische Anschauung, daß der ewige Friede ein Zustand ist, der auf der Erde, wie wir in ihr leben, verwirklicht werden kann? Unsere Leser haoen aus unseren obigen Ausführungen schon ersehen, daß wir auf seiten derer stehen, welche die Verwirklichung dieses Ideals im natürlichen Verlauf der Dinge, und von einem solchen war bisher immer nur die Rede, für ausgeschlossen halten. Und wir befinden uns da in Übereinstimmung mit den heiligen Urkunden unserer Religion und dem Gesamtgeist des Judentums. Die Religion kann, wie man das genannt hat, übervernünftige Lehren aussprechen, Behauptungen über Tatsachen, die jenseits aller Erfahrung liegen und mit den Mitteln des