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Jeschurun · 1915-06-01 · Heft 6 (Juni 1915) · page 9

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
2 (1915)
Issue
Heft 6 (Juni 1915)
Date
1915-06-01
Page
– (sequence 9)
Language
German
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Der ewige Friede. 253 des Universalismus über den ewigen Frieden noch ein anderer geradezu klassischer erbracht werden. Die einzige Stelle, wo von dem ewigen Frieden in schlichter Rede ohne eschatologisches Beiwerk die Rede ist, ist Micha IV, 1 — 5 (Jesajah II, 1—4 geht auf sie zurück und Jesajah XI, 1—9 setzt eine völlige Umwälzung der Natur voraus; denn ein Löwe, der Stroh frißt, ist eben kein Löwe). Und wie lautet diese Stelle in Micha? ״.... Sie schmieden ihre Schwerter um zu Sicheln und ihre Lanzen zu Rebenmessern. Nicht erhebt ein Volk gegen das andere das Schwert und sie lernen nicht mehr den Krieg. Denn alle Völker wandeln, ein jedes im Namen seines Gottes, wir aber wandeln im Namen des Ewigen unseres Gottes für immer und ewig.u 2. Schon der Umstand, daß die Verwirklichung des ewigen Friedens in der Welt hienieden unmöglich ist, hat nach jüdischer Auffassung zur Folge, daß der ewige Friede auch nicht als religiös-sittliches Ideal Geltung beanspruchen darf. Es ist das eben Grundprinzip jüdischen Denkens, daß nur solche Ideale uns voranleuchten sollen, die nicht für immer nur reine Ideen bleiben, sondern im Leben des Menschen ihre Verwirklichung finden können. Es hängt das zusammen mit dem Wesen des Judentums, das Gesetzesreligion ist und überall festumrissene Forderungen aufstellt, die wie jedes Gesetz von dem Gesetzgeber als ausführbar gedacht sind. Die Bestimmungen mögen oft als kaum erfüllbar erscheinen. Die Möglichkeit ihrer Durchführung bei einem festen und wahrhaft reinen Willen ist immer vorhanden. Nehmen wir selbst ein Gesetz, wie das’ der Sabbathjahre, das von jeher den billigen Spott der National- Ökonomen und modernen Bibelexegeten erregt hat. Warum in aller Welt sollte es bei strengster Genügsamkeit und opferfreudiger Einschränkung so völlig undenkbar sein, daß der Ausfall einer Jahresernte ertragen werden kann. Forderungen aber, die immer Ideale bleiben müssen, die ihrer Natur nach, weil sie eben in sich widerspruchsvoll sind, nicht Wirklichkeit werden können, haben in unserem Sittengesetz keinen Platz.

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