Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 2 (1915)
- Issue
- Heft 6 (Juni 1915)
- Date
- 1915-06-01
- Page
- – (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Der ewige Friede. 261 Dieser Gedanke aber, daß die messianische Zeit von Gott herbeigefübrt werden muß, ist ein Grundpfeiler der Lehre des Judentums. Denn dieser Gedanke allein ist es. der uns die Sicherheit gibt, daß das Leben der Menschheit einem bestimmten Ziele zustrebt, daß ihr Ideal einmal Wirklichkeit werden wird. Hermann Cohen wirft in seiner ״Ethik “ die Frage auf, wie wir uns das Problem der Verwirklichung des Sittlichen denken können, wenn diese sich doch der Vollendung versagt. Der "Weltfrieden bedeutet Stillstand, die Verwirklichung des Sittlichen ist aber nur in stetem Fortschritt gegeben: ,.Sollen wir uns bescheiden müssen, die Wirklichkeit des Sittlichen auf einer der vielen Stufen seiner Verwirklichung anzunehmen? Und ist ein noch so hoher Grad der Verwirklichung gleichzusetzen mit der Wirklichkeit? Bliebe also nicht doch die Wirklichkeit selbst ein unerfüllbarer Wunsch, ein unerfüllbarer Gedanke?“ *) Die Frage ist sehr gut in diesen wenigen Worten formuliert. Die Antwort, die der Philosoph gibt, mag man dort im Buche nachlesen. Uns dünkt, daß sie dem unverbildeten Verstände der technische Ausdrücke der Philosophie nicht für sachliche Lösungen nimmt, nicht genügen kann. Denn diese Frage ist von der ״Ethik des reinen Willens“, für welche die religiösen Vorstellungen von Gott ein Mythos sind2), überhaupt nicht zu lösen. Nur der Glaube, daß in einem Zeitpunkt der Weltgeschickte die Vollendung der Sittlichkeit in der Herbeiführung des messianischen Reiches von Gott verwirklicht wird, der dann der Sittlichkeit oder wie man das zukünftige Streben der Menschheit nennen will, neue Aufgaben stellt, wie er zum Anbeginn der Weltgeschichte sie gestellt, nur dieser Glaube vermag die Widersprüche auszugleichen. * * * Die Philosophen und die Theologen werden diesen altjüdischen Gedankengängen mit einem Lächeln begegnen. Wir J) H. Cohen, Ethik des reinen Willens S. 386. ־) Vgl. ebd. S. 52, S 315f. -