Mannheim
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  1. 1858-01-01 · 1858 · p. Seite 11

    scheinung zu erkennen giebt: das Walten eines übermenschlichen, göttlichen Willens; und daher auch an sein eigenes Wollen und Thun diesen Maaßstab des Höchsten und Unerreichbaren anzulegen. Die Religion soll uns in unsern Pflichten einen Au…

  2. 1858-01-01 · 1858 · p. Seite 12

    12 Darum hüte man /ich auch in diesem immer noch zarten Lebensalter viel von Religion zu reden, Religion zu unterrichten oder gar lernen, memoriren zu laffen. Religion kann nur empfunden, angeschaut, gelebt, aber nicht gelernt werden. Der E…

  3. 1858-01-01 · 1858 · p. Seite 13

    13 verlangen nach ihrer Entfaltung. Denn wie leicht wird der Vater in seinem Kinde, der Erzieher in seinem Zögling die Vorstellung wecken können, daß die ganze Menschheit eine große Familie sei, daß jeder Mensch den andern als seinen Bruder…

  4. 1858-01-01 · 1858 · p. Seite 14

    14 nothwendige Sondcrung nicht auch zur unseligen Trennung führen. Die Einführung der Jugend in das Gebiet der Sonderreligion kann und soll daher nur geschehen an der Hand der Geschichte, die ja glücklicher Weise für Jude und Christ, für Ka…

  5. 1858-01-01 · 1858 · p. Seite 15

    15 schäften nicht mehr die Gefahr in sich tragen, jene allgemeinen Grundlagen der Religiosität zu trüben und zu verkümmern; und es wird Religiosität mit Humanität Hand in Hand gehen, Anhänglichkeit an die eigne Religion mit der Achtung vor …

  6. 1858-01-01 · 1858 · p. Seite 16

    16 mein menschliche Aufgabe der Erziehung zu verdrängen, sondern um sie zu kräftigen und zu veredeln; nicht im Sinne konfessionell-dogmatischer Sonderung und Trennung, sondern der freudigen und selbstvergessenden Hingabe für das allgemeine …

  7. 1858-01-01 · 1858 · p. Seite 17

    17 heranbilden sollen, aber es wird das Erziehungs- und Bildungswerk der Jugend nicht beherrschen, die Pflege des allgemein Menschlichen und des Religiösen nicht verdrängen und derselben auch in der Stufenfolge der Entwicklung nicht vorange…

  8. 1858-01-01 · 1858 · p. Seite 18

    18 dienen; das Nationalgefühl, durch meine Person die Ehre des Vaterlandes zu wahren. Vaterlandsliebe ist eine Tugend, deren Grundlage und Wirkung nur positiv fein kann; Nationalgefühl hat auch feine negative Seite und kann daher auch zu Ve…

  9. 1858-01-01 · 1858 · p. Seite 19

    19 liebgewordene Heimath seines Dorfes, seiner Stadt allmählich zu dem weiten Umfang des Vaterlandes erweitert. — Lehrt den Knaben also frühzeitig den Boden seines Vaterlandes kennen und liebgewinnen. Geht von der Heimatskunde auf die Vater…

  10. 1858-01-01 · 1858 · p. Seite 20

    20 land dem Wohl jedes Einzelnen darbietet, und für die es daher auch die Mitwirkung jedes Einzelnen in Anspruch nimmt. — Wenn sein Geist reif genug ist, die Schule, die Rechtspflege, das Armenwesen als Schöpfungen des Staats zu begreifen, …

  11. 1858-01-01 · 1858 · p. Seite 21

    21 zelnen. Wecke daher in deinen Zöglingen das Selbstgefühl, das auf Achtung und Würdigung Aller begründet ist, und du,hast den sichersten Grund zum Nationalgefühl gelegt. Das Emporwachsen des Selbstgefühls zum Nationalgefühl geht denselben…

  12. 1858-01-01 · 1858 · p. Seite 22

    22 so wird insbesondere unsere deutsche Jugend in zweifacher Beziehung vorbereitet sein, die Geschichte der eigenen Nation zu verstehen und aus derselben das edle Nationalbewußtsein zu schöpfen, das wir nur zu oft in den Angehörigen der deu…

  13. 1858-01-01 · 1858 · p. Seite 23

    23 heit geführt. Er soll aus der Mitte seines Volkes die großen und edlen Persönlichkeiten hervortreten sehen, auf deren Leistungen die Nation stolz sein darf, und deren Tugenden Allen zum leuchtenden Vorbild dienen, und er soll die Geschic…

  14. 1858-01-01 · 1858 · p. Seite 24

    24 kann auch die Bedeutung dieses Unterrichtsgegenstandes für die Zwecke der stttlichen Erziehung nicht verkannt werden; und wir würden ihm gleich der Zahlenkunde einen Platz unter den Elementen des allgemein menschlichen Unterrichtsstoffes…

  15. 1858-01-01 · 1858 · p. Seite 25

    25 Der Beruf in seiner sittlichen Bedeutung ist diejenige Lebensthätigkeit, die wir zum Ausgangs- und Mittelpunkt unsrer Wirksamkeit für die Gesammtheit gemacht haben, und die uns daher auch einen begründeten Anspruch auf einen entsprechend…

  16. 1858-01-01 · 1858 · p. Seite 26

    unzureichende sittliche Wirksamkeit derselben auf ihre Zöglinge, daß die Rücksicht auf den künftigen (wahrscheinlichen) Beruf der Zöglinge zu frühe und zu ausschließlich in den Vordergrund tritt. — Ehe ihr den Künstler und Gelehrten, den Be…

  17. 1858-01-01 · 1858 · p. Seite 27

    27 ans Ziel ihres Ideals gelangt sind. Beklagt euch aber auch dann nicht, wenn ihr in ihnen jede Selbstanregung zu einem höheren und edleren Streben als zur Verwerthung ihres Thuns für ihre Person an ihnen vermißt; wenn geistige und sittlic…

  18. 1858-01-01 · 1858 · p. Seite 28

    28 es ist vom höchsten Werthe für die gesammte sittliche Lebensthätigkeit des Menschen, wenn er seinen Beruf nicht nur übt, sondern begreift, d. h. sittlich und geistig begreift; wenn er das Gebiet und den Umfang seines künftigen Wirkens üb…

  19. 1858-01-01 · 1858 · p. Seite 29

    29 Bewegungen des Handels und der Industrie im Allgemeinen nicht bekannt, dem Verständniß der allgemeinen sozialen Fragen nicht zugänglich, für den Gang der politischen Ereignisse gleichgültig ist; der Lehrer der von Geschichte der Pädagogi…

  20. 1858-01-01 · 1858 · p. Seite 30

    30 keines dieser Elemente die Grenzen des Gebiets überschreite, das ihm zukommt. So hat sich aus den vorstehenden Betrachtungen, wie ich hoffe, ergeben, daß Erziehung des Menschen für die Lösung seiner sittlichen Lebensaufgabe der leitende …