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Einladungsschrift zu der am ... stattfindenden öffentlichen Prüfung der Bürger- und Real-Schule der Israel. Gemeinde · 1858-01-01 · 1858 · p. Seite 11

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Journal
Einladungsschrift zu der am ... stattfindenden öffentlichen Prüfung der Bürger- und Real-Schule der Israel. Gemeinde
Volume
1858
Date
1858-01-01
Page
Seite 11 (sequence 15)
Language
German
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IRI
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scheinung zu erkennen giebt: das Walten eines übermenschlichen, göttlichen Willens; und daher auch an sein eigenes Wollen und Thun diesen Maaßstab des Höchsten und Unerreichbaren anzulegen. Die Religion soll uns in unsern Pflichten einen Ausfluß aus dem allgemeinen Weltgesetz Gottes, in unserm Lebensgenuß einen Antheil an dem allgemeinen Quell der Freude, in unserm Schmerz eine Unterordnung unter die allgemeine Nothwendigkeit, in unserm Denken und Empfinden, einen Strahl der göttlichen Erkenntniß, in unserm ganzen Dasein, eine mitwirkende Theilnahme an der Unendlichkeit des Lebens und Gestaltens erkennen lassen. Die Religion soll dem Baum unseres Lebens die Triebkraft nach Oben und in die Weite geben; sie soll seiner Blüthe und seiner Frucht den Duft des göttlichen Athems verleihen, von dem er belebt und erfrischt wird. Aber sie soll darum seiner Wurzel nicht das Wachsthum in die Tiefe entziehen, daß er den Boden der Erde nicht verliere, die ihm als die Stätte seines Daseins angewiesen ist, aus der er seine Lebenskraft schöpft und der er seine Frucht wiedergeben muß, wenn sie zur Saat neuen Lebens werden soll. Soll das Alles dem Kinde gelehrt werden, wenn es in das Lebensalter tritt, in welches wir den Anfang der religiösen Erziehung setzen zu müssen glaubten? Niemand wird hoffentlich meinen, daß das meine Ansicht sei. Aber der Erzieher, dem die Pflege dieser zarten Pflanze auf dem Boden des menschlichen Gemüthes anvertraut ist, muß schon, wenn er die Saat ausstreut, wissen, welche Blüthe und Frucht er dereinst von ihr erzielen wolle und könne. Das Kind hingegen wird die Lebenslust der Religion um so frischer und freudiger einathmen, an dem Licht ihrer Wahrheiten seinen Blick um so sicherer kräftigen, je unbewußter und unbefangener es in die Region eintritt, die sich vor ihm öffnet. Religiosität ist gleich der jungfräulichen Keuschheit nur so lange in ihrer ungetrübten Reinheit vorhanden, als wir sie besitzen ohne von ihr zu wiffen; in der geheimnißvollen Ahnung des Gemüths beruht ihre höchste aber unbemerkt wirkende Kraft, die über alles Thun und Empfinden ihr verklärendes Licht ausgießt.

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