Einladungsschrift zu der am ... stattfindenden öffentlichen Prüfung der Bürger- und Real-Schule der Israel. Gemeinde
- Journal
- Einladungsschrift zu der am ... stattfindenden öffentlichen Prüfung der Bürger- und Real-Schule der Israel. Gemeinde
- Volume
- 1858
- Date
- 1858-01-01
- Page
- Seite 28 (sequence 32)
- Language
- German
- Belongs to
- journal volume
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/9643703-7657895--135-7657925- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
28 es ist vom höchsten Werthe für die gesammte sittliche Lebensthätigkeit des Menschen, wenn er seinen Beruf nicht nur übt, sondern begreift, d. h. sittlich und geistig begreift; wenn er das Gebiet und den Umfang seines künftigen Wirkens überschaut, die Mittel zu einer erfolgreichen Wirksamkeit auf diesem Gebiet kennen und beurtheilen lernt, die Wichtigkeit und Bedeutung seines Berufs für den allgemeinen Zweck der menschlichen Gesellschaft und dessen Verhältniß und Beziehung zu andern Berufsarten begreift und würdigt, und wenn er vor Allem mit den Anforderungen sich vertraut macht, die derselbe an ihn stellt; mit dem Wesen und der Heiligkeit der Pflichten, die er ihm auferlegt, um sich in dieser Weise der Stellung bewußt zu werden, welche die getreue Berufserfüllung ihm anweist. Man führe den Heranwachsenden Zögling, der seinen Beruf gewählt hat, nicht in den praktischen Thätigkeitskreis, sondern in die geistig-sittliche Sphäre seines Berufs ein, in welcher er sich umschauen und seinen Blick frei und klar nicht nur auf sein künftiges Wirken, sondern auch auf dessen Beziehungen nach Außen zu richten vermag. Man meine aber nicht, daß für diesen Zweck ein allgemeines Theoretisiren über den Beruf genüge, sondern im Gegentheil kann er diese Vorbereitung für seinen künftigen Beruf nur durch ein reiches positives Wissen erlangen, das ihn über die Grenzen seiner eigenen praktischen Wirksamkeit hinaus mit dem gesammten Gebiet der Lebensthätigkeiten und Berufsarten vertraut macht, die zu dem seinigen im Verhältniß einergegenseitigen Wechselwirkung stehen und das ihn vor der Einseitigkeit und Verknöcherung schützt, zu welcher der streng abgegrenzte Berus nicht selten zu führen pflegt. — Der Apotheker der nur die Gift- und Heilstoffe der Natur und nicht die Natur überhaupt mit ihren schaffenden und zerstörenden Kräften kennt, der sich nur mit Chemie und nicht auch mit Physik beschäftigt hat, nur für die Bereitung der Heilmittel und nicht auch für die Wirkung und den Gebrauch derselben Interesse hat; der Banquier der mit seinem Wissen auf die Erfordernisse seines Geschäftsverkehrs beschränkt, mit den inwnui