Einladungsschrift zu der am ... stattfindenden öffentlichen Prüfung der Bürger- und Real-Schule der Israel. Gemeinde
- Journal
- Einladungsschrift zu der am ... stattfindenden öffentlichen Prüfung der Bürger- und Real-Schule der Israel. Gemeinde
- Volume
- 1858
- Date
- 1858-01-01
- Page
- Seite 20 (sequence 24)
- Language
- German
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20 land dem Wohl jedes Einzelnen darbietet, und für die es daher auch die Mitwirkung jedes Einzelnen in Anspruch nimmt. — Wenn sein Geist reif genug ist, die Schule, die Rechtspflege, das Armenwesen als Schöpfungen des Staats zu begreifen, die durch Zusammenwirken Aller jedem Einzelnen zum Segen gereichen; wenn er die Sicherheit und Freiheit Aller als ein Produkt der vaterländischen Institutionen erkennt, die Allen in gleicher Weise Rechte verleihen und Pflichten auferlegen; wenn er die Mittel und Wege des öffentlichen Verkehrs als ein Werk der Gesammtheit betrachten gelernt, das Allen dient, wie es von Allen geschaffen wurde; wenn er endlich den Zusammenhang aller seiner Lebensbeziehungen mit diesen Schöpfungen und Institutionen des Vaterlandes begriffen hat: so wird er sich im Vaterlande auf dem Boden fühlen, auf dem seine Rechte emporwachsen und auf den ihn seine Pflichten Hinweisen, der ihm seine Segnungen darbietet und der seine Hingebung fordert, dem er Dankbarkeit schuldet und dem er Liebe darbringen muß. — Anders verhält es sich mit dem Nationalgefühl. Es erwächst nicht aus der Würdigung des Werthes und der Bedeutung, welche das Vaterland und die Nation für jeden Einzelnen ihrer Angehörigen haben, sondern aus dem Bewußtsein von dem Werth und der Bedeutung, welche die Nation als solche neben andern Nationen geltend macht. Was für die Vaterlandsliebe der Gemeinsinn, ist für das Nationalgefühl das Selbstgefühl, was für jene die Heimat, ist für diese die Geschichte. — Wo das persönliche Selbstgefühl fehlt, ist kein Nationalgefühl möglich; wo jenes in Stolz und Hochmuth übergeht, wird auch dieses leicht in dieselbe Verirrung gerathen. Das wahre Selbstgefühl aber, das wir als eine hohe Tugend und als eine schöne Kraft ehren, ist nur möglich, wenn es auf Achtung Anderer begründet ist, darum ist auch edler Nationalstolz niemals mit Mißachtung anderer Nationen verbunden. Wer Niemand kennt, als sich selbst, kennt sich selbst gewiß nicht; wer Niemand schätzt, als sich selbst, wird seine Würde selten zu wahren wissen; das gilt von Nationen, wie von Ein-