Einladungsschrift zu der am ... stattfindenden öffentlichen Prüfung der Bürger- und Real-Schule der Israel. Gemeinde
- Journal
- Einladungsschrift zu der am ... stattfindenden öffentlichen Prüfung der Bürger- und Real-Schule der Israel. Gemeinde
- Volume
- 1858
- Date
- 1858-01-01
- Page
- Seite 21 (sequence 25)
- Language
- German
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21 zelnen. Wecke daher in deinen Zöglingen das Selbstgefühl, das auf Achtung und Würdigung Aller begründet ist, und du,hast den sichersten Grund zum Nationalgefühl gelegt. Das Emporwachsen des Selbstgefühls zum Nationalgefühl geht denselben Weg, wie die Entwickelung der Nächstenliebe zur Vaterlandsliebe; es geht durch den Familienstolz zum Standesstolz, den wir wohl auch als Corpsgeist bezeichnen könnten, und der keineswegs nur ein Privilegium der höheren Stände sein soll. Es gewinnt mit jeder Stufe, die es durchschreitet, an Werth und Adel, wenn es sich von den Verirrungen freihält, die ihm überall drohen. Denn wie das Selbstgefühl des Einzelnen ihm die Pflicht auferlegt, durch sein Thun und Handeln die Ehre der Person zu wahren, als die er sich fühlt, so legt ihm der Stolz, der aus der Gemeinschaft mit einem größeren Ganzen für ihn erwächst, auch die Verantwortlichkeit auf, die Ehre der Gesammtheit zu wahren, an der er seinen Antheil geltend macht; und er wird eben so sehr seine Ehre verletzt fühlen, wenn die Ehre seiner Nation gekränkt wird, wie er die Ehre der Nation für gekränkt halten würde, wenn er seine eigene Ehre ungestraft verletzen ließe. Und die Lehrerin und Pflegerin dieses schönen nationalen Selbstgefühls ist die Geschichte. Zur kräftigen und gesunden Pflege desselben würde es aber keineswegs zweckmäßig scheinen, wenn die Jugend nur mit der Geschichte der eigenen Nation bekannt gemacht, oder wenn auch nur der geschichtliche Unterricht mit derselben begonnen würde. Denn das Verständniß des eigenen Werthes kann nur durch die Würdigung Anderer gewonnen werden, und für die geschichtliche Würdigung der eigenen Nation wird daher der Zögling am besten aus dem Boden der alten Geschichte vorbereitet werden. Denn den Völkern des Alterthums gegenüber ist das Urtheil frei und unbefangen, während alle Nationen der Gegenwart entweder einmal die Freunde oder die Nebenbuhler der unsrigen gewesen sind. Wenn aber die Kenntniß der griechischen und römischen Geschichte den Zögling gelehrt hat, das Wesen und den Charakter großer Nationalitäten zu würdigen,