Einladungsschrift zu der am ... stattfindenden öffentlichen Prüfung der Bürger- und Real-Schule der Israel. Gemeinde
- Journal
- Einladungsschrift zu der am ... stattfindenden öffentlichen Prüfung der Bürger- und Real-Schule der Israel. Gemeinde
- Volume
- 1858
- Date
- 1858-01-01
- Page
- Seite 22 (sequence 26)
- Language
- German
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22 so wird insbesondere unsere deutsche Jugend in zweifacher Beziehung vorbereitet sein, die Geschichte der eigenen Nation zu verstehen und aus derselben das edle Nationalbewußtsein zu schöpfen, das wir nur zu oft in den Angehörigen der deutschen Nation vermissen. Denn wie könnte dieser Stolz in würdigerer und reinerer Form geweckt werden, als wenn wir die eigene Nation auf den Schauplatz der Weltgeschichte treten sehen mit der unzweideutigen Aufgabe, nicht nur zum Erben der römischen Weltherrschaft, sondern auch zum Träger einer neuen und höheren sittlichen Weltordnung zu werden, die an die Stelle des allgemeinen sittlichen Verfalls in der griechisch-römischen Welt treten sollte. Und wenn der Knabe bei dem Eintritt in die vaterländische Geschichte dieses Bild von dem Werth und der Bedeutung seiner Nation in sich ausgenommen, so kann diese Geschichte mit vollem Recht zum Mittelpunkte seines Unterrichts in der allgemeinen Weltgeschichte gemacht werden, ohne deren übersichtliche Kenntniß die Geschichte eines einzelnen Volkes nimmermehr verstanden werden kann. Dann aber möge die vaterländische Geschichte wie alle Geschichte auch nicht in der Aufzählung von Königsnamen und in der Beschreibung von Kriegen und Schlachten bestehen, welche die Nation bestanden hat, sondern in der lebendig faßbaren Darstellung der Leistungen und Schöpfungen, welche die Nation auf dem Boden der sittlichen, geistigen und materiellen Lebensgeftaltung hervorgerufen hat. — Der Unterricht in der vaterländischen Geschichte soll den Zögling bekannt machen mit den Eigenthümlichkeiten und Tugenden seiner Vorfahren im häuslichen, bürgerlichen und religiösen Leben, mik ihrem Freiheitssinn in der Wahrung der persönlichen Unabhängigkeit und mit ihrem Gemeinsinn in der Förderung des öffentlichen Wohls, mit den öffentlichen Einrichtungen in Staat und Kirche, mit ihren Rechten und Gesetzen, mit ihren Sitten und Gebräuchen. Er soll erfahren, in welcher Weise sie im Verlauf ihrer Geschichte den Grund zu den wichtigsten Institutionen der Gegenwart gelegt, und wie sie nach allen Richtungen hin muthig und kühn den Kampf für Geistes- und Gewiffensfrei-