Einladungsschrift zu der am ... stattfindenden öffentlichen Prüfung der Bürger- und Real-Schule der Israel. Gemeinde
- Journal
- Einladungsschrift zu der am ... stattfindenden öffentlichen Prüfung der Bürger- und Real-Schule der Israel. Gemeinde
- Volume
- 1858
- Date
- 1858-01-01
- Page
- Seite 13 (sequence 17)
- Language
- German
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13 verlangen nach ihrer Entfaltung. Denn wie leicht wird der Vater in seinem Kinde, der Erzieher in seinem Zögling die Vorstellung wecken können, daß die ganze Menschheit eine große Familie sei, daß jeder Mensch den andern als seinen Bruder zu betrachten habe und daß über alle und für alle ein Vater wacht und sorgt, mit gleicher Liebe und mit gleicher Treue wie des Kindes Vater und Mutter für ihn und für ihre Kinder alle. Wie die Geschichte nur aus der Familie die höheren sittlichen Gestaltungen des Staates und der menschlichen Gesellschaft hervorgehen läßt, so vermag auch das Kind zur sittlich-religiösen Erfassung dieser höheren Gemeinschaften und seiner eigenen Gemeinschaft mit denselben nur aus dem Leben in der Familie zu gelangen, das sich in seiner Seele zu immer weiteren Kreisen erweitert; und so werden die Gefühle der Ehrfurcht und der Liebe, der Dankbarkeit und des Gehorsams gegen Vater und Mutter den natürlichen und gesunden Boden bilden, aus dem die Anbetung des Allvaters in seine Seele hineinwächst, sobald sie sich zur Ahnung des Unendlichen aufthut. Ich weiß daß mit alledem nur Religiosität, aber nicht Religion im Sinne der spezifischen Kirche, des spezifischen Bekenntnisses dem kindlichen Gemüthe geboten und eingepflanzt wird. — Nur Religiosität! Kann denn durch alle Religionen etwas Höheres gegeben werden als Religiosität? Und muß nicht wenigstens diese Religiosität, die das Herz des Kindes für das Gefühl seines unlösbaren Zusammenhanges mit der ganzen Menschheit, mit allen Kindern Gottes erschließt, die unverlierbare Grundlage aller Religionen und ihrer Sonderbekenntnisse sein? — Aber die Weltgeschichte und ihr göttlicher Lenker will noch die Sonderung der Religionen. Die Erziehung muß daher ihren Vorschriften folgen und jeden Zögling sanft und vorsichtig, aber fest und sicher in den Boden einpflanzen, auf dem er mit seiner ganzen Kraft Religion gewinnen und üben soll. — Aber laßt sie erst mit der ungetrübten Frische und Fülle des Empfindens in ihr Gemüth ausnehmen, was die Menschen eint und verbindet, ehe ihr ihnen gebet, was sie unterscheidet und sondert; denn nur dann wird die