Mannheim
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  1. 1937-01-01 · 5697 (1936-1937) · p. Seite 139

    139 Wurzel erstehen lassen, um sie noch nicht verstoßen und verdammen zu müssen? Leiser kam jetjt in die stillen Straßen der äußern Vorstadt, die noch nicht völlig ausgebaut waren. Zuweilen gab es noch Felder und Wiesen. Hier wurde es schon…

  2. 1937-01-01 · 5697 (1936-1937) · p. Seite 140

    140 frei und leicht. Aber dann fand er sich plötjlich unter den gleichen Menschen, die er auf Erden gekannt hatte. Sie benahmen sich nur sonderbar. Jeder war das völlige Gegenteil von dem, was er auf Erden gewesen war, und was er dort getan…

  3. 1937-01-01 · 5697 (1936-1937) · p. Seite 141

    141 verständigen, aber man suchte sie vergebens. Sie war wohl inzwischen mit den anderen Kindern weiter hinaus aufs flache Land in eines der größeren Barackenlager für Flüchtlinge befördert worden. Der Sekundärarzt nahm besonderen Anteil an…

  4. 1937-01-01 · 5697 (1936-1937) · p. Seite 142

    …il er wie sein Kriegs- und Traumerlebnis im geistigen Ringen der Jugend Erez Jisraels eine nicht geringe Rolle spielen. Max Brod: Gesang einer Giftschlange _ Nun bin ich da. Nun muß ich doch leben. Mein Leben ist Stechen und Raffen, Meinem bösen Tr…

  5. 1937-01-01 · 5697 (1936-1937) · p. Seite 143

    143 Mir ward nicht zu Lust und leisem Schwünge Der Kurorte heitere Walzermusik —, Nur verbergende Farbe, Glattleibes Schlick, Anspringende Kraft und gespaltene Zunge. Das ist mein Teil, den ich lebe und wirke, Mir reinigt sich, was ich verd…

  6. 1937-01-01 · 5697 (1936-1937) · p. Seite 144

    144 Alfred Wolfenstein: S i m s o n Als die Bärenkraft des Boxers Mac sich in den Bing zu New York stellte, blickten nicht nur die hunderttaus…

  7. 1937-01-01 · 5697 (1936-1937) · p. Seite 145

    145 » .. . und so geben wir dem verbummelten Heros keine Chancen mehr ...« Auch Mac las es,in derBar, auf dem hohenStahlstuhl wankend von Flip und Cohbler, und er lachte. Seine hübschen Mädchen umdrängten ihn und sahen mit ihm in die Zeitun…

  8. 1937-01-01 · 5697 (1936-1937) · p. Seite 146

    …Drei Wolken zogen feierlich vom Nil. Ich merkte noch, daß der Aegypter fiel. Dann nahm er ihn und warf ihn in ein Grab. Arnold Zweig: Eine Osereih Durch Zufall kenne ich den Lebensverlauf einer Osereth*) hier im Lande ganz genau. Das will sagen: die Ge…

  9. 1937-01-01 · 5697 (1936-1937) · p. Seite 147

    147 notorisch. Die kleine Stadt, katholisch und seit dem 17. Jahrhundert von Jesuiten stark beeinflußt, war stolz darauf, ihre Juden niemals ausgetrieben zu haben. Ihr geistiges Leben sah auf eine lange Vergangenheit zurück. Auf ihrem Markt…

  10. 1937-01-01 · 5697 (1936-1937) · p. Seite 148

    148 seiner Flöte. Außerdem besaß er eine unheimliehe Gabe: er träumte Wahrträume, die ihn von kommendem Unheil unterrichteten. Von dem letjten dieser Träume weiß ich aus dem Munde einer seiner Töchter., Damals war seine Frau sehr krank, eig…

  11. 1937-01-01 · 5697 (1936-1937) · p. Seite 149

    149 aufhielten. Das Geschäft wurde immer schlechter, die Lebenshaltung bescheidener. Die Zeichen der Zeit immer lesbarer. Immer bcftiger wühlte, von der Republik ungestört, die Reaktion gegen die Juden, und schließlich kam Hitler. Die junge…

  12. 1937-01-01 · 5697 (1936-1937) · p. Seite 150

    Friedricli Torberg: Hebräische Elegie Tausend Jahre trag ich auf den Armen wie ein Bündel Strandgut vor mir her. Und von tausend todeshittern Härmen, Furcht und Neid und Not und nie Erbarmen wurden Blut und Blicke dumpf und schwer. Bin der …

  13. 1937-01-01 · 5697 (1936-1937) · p. Seite 151

    151 Laß uns immer tausend Tode sterben — unsern großen Tod erstirbst Du nie, eh wir selber nicht an uns verderben und der Letzte hinging ohne Erben: Rak im acharon hajehudi. .. (Die legte Zeile ist, aus andrem Sinn und Zusammenhang, der »Ha…

  14. 1937-01-01 · 5697 (1936-1937) · p. Seite 152

    152 von vierundzwanzig Jahren, wie ich es damals war, hätte;— auch wenn er Nachmittag wieder ins Geschäft mußte — das doch immerhin möglich, jedenfalls nicht ganz unmöglich sein können. Also das wirklich nicht. Außerdem wäre ich viel zu dis…

  15. 1937-01-01 · 5697 (1936-1937) · p. Seite 153

    153 Angenommen!) Tante Röschen hatte also ihre Ohrenklappen umhehalten, aher den Respirator, den sie sonst wie ein Peclipflaster vor den Mund patschte, wenn sie aus dem Haus trat, hatte sie nehen dem Pompadour über das dickliche Handgelenk …

  16. 1937-01-01 · 5697 (1936-1937) · p. Seite 154

    154 Röschen wieder auf und reibt sich zur Abwechslung mit dem Kantentuch an der kleinen Mopsnase herum. Schönhauser Allee? Das war doch der alte Friedhof. Da wurde höchstens noch mal solch ein vergessener Nachzügler aus einer längst schon v…

  17. 1937-01-01 · 5697 (1936-1937) · p. Seite 155

    155 der Güte der gepflegten Weine des »goldenen Lamms« alle Ehre machte, his man Onkel Rohert aufhob und sah, daß ihm jegliche Lust, diese vierte Flasche auszutrinken, für alle Ewigkeit vergangen war. »Heute grade vor dreiunddreißig Jahren …

  18. 1937-01-01 · 5697 (1936-1937) · p. Seite 156

    156 gemacht. Ich bin sofort auf die Friedhofsverwaltung gestürzt. Die Wände haben gezittert, so habe ich mit den Herren gesprochen da oben. ,Das ist mein Platz', habe ich geschrien. ,Wie kommen Sie überhaupt dazu, meine Herren?' Angesehen h…

  19. 1937-01-01 · 5697 (1936-1937) · p. Seite 157

    157 »Also — was sagst du zu dieser Frechheit, Georg?!« »Na, ich habe midi natürlich dabei nicht zufrieden gegeben ... dann sollen Sie Marianchen Henoch wieder ausbuddeln und einen andern Plag für sie suchen. Wozu zahle ich denn meine Steuer…

  20. 1937-01-01 · 5697 (1936-1937) · p. Seite 158

    …herunter; und wir luckerten noch beide still vor uns hin, als die alte Marie die dampfende Suppenterrine hereinbrachte. Georg Mannheimer. Das Lied vom Mörtel und Beton — Misclie den Mörtel und misch' den Beton, brenne den Kalk und wasche den Sand. Dein ist…