Jüdischer Almanach
- Journal
- Jüdischer Almanach
- Volume
- 5697 (1936-1937)
- Date
- 1937-01-01
- Page
- Seite 156 (sequence 158)
- Language
- German
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156 gemacht. Ich bin sofort auf die Friedhofsverwaltung gestürzt. Die Wände haben gezittert, so habe ich mit den Herren gesprochen da oben. ,Das ist mein Platz', habe ich geschrien. ,Wie kommen Sie überhaupt dazu, meine Herren?' Angesehen haben die mich, als ob ich nicht vom Friedhof, sondern direkt aus dem Grab käme.« »Wie heißen Sie denn, meine Dame«, hat der Oberinspektor gefragt. Und dann hat er ne Mappe aus dem Regal geholt. »Das ist ein tief bedauerlicher Irrtum« hat er gesagt. »Aber Sie werden selbst sagen, daß uns da keine Schuld trifft.« »Wen denn sonst?« schreie ich. »Etwa mich?« »Aber, gnädige Frau, so beruhigen Sie sich doch bitte. Also dreißig Jahre heben wir die Stellen für die überlebenden Ehegatten auf, und fragen dann sogar nochmal an, ob es weiter gewünscht wird, der Sicherheit wegen. Es kommt vor, daß Gemeindemitglieder auswandern, daß sie wo anders beigeseßt werden, daß sie wieder heiraten, mehrmals heiraten ... zweimal haben wir an Sie nach der Poststraße geschrieben ...« »Also nach der Poststraße schreiben Sie?! Seitdem habe ich in der Behrenstraße, in Blumeshof, in der Victoriastraße, am Lütjowufer und in der Körnerstraße gewohnt, und jetjt wohne ich wieder in meiner alten Wohnung am Lütjowufer, schon seit vierzehn Jahren... da schreiben Sie nach der Poststraße?!« »Ja, der Brief — wir haben sogar zwei Briefe geschrieben — hier, sehen Sie, beide sind als ,unbestellbar' zurückgekommen. Und auf dem Einwohnermeldeamt sagte man uns ,unbekannt, verzogen . ..', und aus dem Adreßbuch, und von der Gemeinde, da haben wir auch nichts weiter erfahren können, als daß eine Frau Rosalie Meyer nach Cincinati zu ihrer Tochter gezogen ist und eine andere Rosalie Meier in der Köpenickerstraße hat geschrieben «Inhalt betrifft mich nicht, da Gott sei Dank unverheiratet'. Also wir haben noch ein Jahr gewartet, weil wir immer noch glaubten, gnädige Frau, Sie würden sich melden und auf ihren Platj noch Anspruch machen. (Wenn wenigstens nicht das Grab in ewiger Pflege gewesen wäre!) Aber dann haben wir eben — es sind soviel Anfragen, und die besseren Herrschaften wollen eben immer alle noch gern in der Schönhauserallec begraben sein — haben wir eben ihre freie Stelle dann doch vergeben.«