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Jüdischer Almanach · 1937-01-01 · 5697 (1936-1937) · p. Seite 150

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Journal
Jüdischer Almanach
Volume
5697 (1936-1937)
Date
1937-01-01
Page
Seite 150 (sequence 152)
Language
German
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Friedricli Torberg: Hebräische Elegie Tausend Jahre trag ich auf den Armen wie ein Bündel Strandgut vor mir her. Und von tausend todeshittern Härmen, Furcht und Neid und Not und nie Erbarmen wurden Blut und Blicke dumpf und schwer. Bin der Menschheit Knecht und bin ihr Scherge! Und mit aller Regung längst vertraut hängt mein Antliß über Meer und Berge — ein Titan aus dem Geschlecht der Zwerge, ivard ich noch von Keinem ganz erschaut. Was ihr sehen könnt, wenn ich mich beuge, ist ein Lächeln greisenhaft und schräg: Gottes alter Größe letzter Zeuge, Gottes vollen Bechers letzte Neige, Gottes Irrens letzter Landungssteg. Dieses Lächeln wuchs schon auf im Munde meines Vaters Jakob, als er fehl mit dem HERRN gekämpft in dunkler Stunde und dem HERRN geschlagen hat die Wunde und geheißen wurde Jisra-El. Dieses Lächeln wird bis die Posaunen zum Gericht erdröhnen nicht vergehn. Und indes die Andern ängstlich raunen, werden wir aus matten Sinnen staunen und Dein Rufen, HERR, nur halb verstehn. Sieh wir treiben so durch Welt und Zeiten, und wir künden Dir auf eivig Hohn: wolltest Priester uns, und strahlend schreiten! Docli die Sonne, unsern Weg zu leiten, steht noch immer über Gibeon. Sieh wir sind Dir so verweht entronnen in das Meer, dess' Sand wir sollten sein. HERR! Du hast uns allzu groß ersonnen! HERR! Du ließest, in den Traum versponnen, Deine Auserwählten ganz allein.

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