Jüdischer Almanach
- Journal
- Jüdischer Almanach
- Volume
- 5697 (1936-1937)
- Date
- 1937-01-01
- Page
- Seite 151 (sequence 153)
- Language
- German
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151 Laß uns immer tausend Tode sterben — unsern großen Tod erstirbst Du nie, eh wir selber nicht an uns verderben und der Letzte hinging ohne Erben: Rak im acharon hajehudi. .. (Die legte Zeile ist, aus andrem Sinn und Zusammenhang, der »Hatikwah« entnommen: »Rak im acharon hajehudi gam acharith tikwahtenu« — »Erst mit dem legten Juden wird unsre Hoffnung erlöschen«.) Georg Hermann: Gott hab ich gelacht Sie meinen, es gibt in dieser Welt sehr wenig zu lachen grade! Das will ich gewiß nicht in Frage ziehn. Immerhin hin ich entschuldigt, denn diese Geschichte, dieser Hauch, dieser Schatten einer Geschichte liegt hald vierzig Jahre zurück. Man wird das schon gleich daran erkennen, daß ich am Potsdamer Tor in die Pferdehahn stieg. Wo giht es heute noch, und gar am Potsdamer Tor, diesem Brenn- und Schnittpunkt des weltstädtischen Verkehrs, wie die Zeitungen gern schreiben... altmodisch-dahinzuckelnde Pferdebahnen?! Und weiter daran, daß ich — ich erinnere mich noch genau — die »Kreuzersonate« zu Ende lesen wollte. Denn die las man damals grade, weil sie modern war, weil sie von Tolstoi war, und weil sie für unmoralisch galt. Wer liest heute noch die »Kreuzersonate«? Wir haben andere Sorgen. Als ich letzthin das Buch meinem fünfjährigen TJrgroßneffen in die Hand drückte, lehnte er es als zu bürgerlich — er ist Edelkommunist! —■ und zu etepetete ab. Vor vierzig Jahren aber nahm man solche Harmlosigkeiten ernst. Sogar erwachsene Leute und solche, die sich dafür hielten, taten das. Doch ich sollte gar nicht dazu kommen, in dieser Pferdebahn die »Kreuzersonate« zu Ende zu lesen, und ich weiß noch heute nicht, wie sie ausgeht deshalb. Kriegen sie sich eigentlich? Nicht etwa, wie das vorkommen kann, weil und wegen Francesca da Rimini: an diesem Tage lasen wir nicht mehr. Bei einem vielversprechenden jungen Mann