Jüdischer Almanach
- Journal
- Jüdischer Almanach
- Volume
- 5697 (1936-1937)
- Date
- 1937-01-01
- Page
- Seite 143 (sequence 145)
- Language
- German
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143 Mir ward nicht zu Lust und leisem Schwünge Der Kurorte heitere Walzermusik —, Nur verbergende Farbe, Glattleibes Schlick, Anspringende Kraft und gespaltene Zunge. Das ist mein Teil, den ich lebe und wirke, Mir reinigt sich, was ich verdaue, zu Gift, Meinem edelsten Sein. Aus feinstem Bezirke Quillt eng der Saft, der euch lähmend trifft. Meine Tugend ist Mord, Vernichtung mein Hort, Wer kennt das Wort, das dem Unheil wehrt! Nehmt mir die Giftdrüse — Dann bin ich bekehrt, Doch auch zerrissen und betrogen, Als hätte man dir, unter mildem Akkord, Mensch, Leber und Herz aus dem Leib gezogen. Wäre mein Wüten, o wär es ein heilbares Irren! — Doch ich bin nicht böse. Es ist Das, was du siehst, mein Dasein, nicht mehr, Nicht weniger, ist ein Unteilbares Von uralten Morgenröten her, Und ist ein Geheimnis um mich, du Mann, Das dein kühnster Wift nicht durchdringen kann. Meinem kleinen spißgekeilten Kopf Kommt dein Wort nicht nah, — Dein Ort ist nicht da, Golden gliederndes Überreden, Hier reißen deine festesten Fäden. Und es öffnet Frage Die Fräße wie einst am jüngsten Tage. Nun Antwort!! — Keine. — Drum weine, weine, Weine mit mir, mein Mensch, sei gut, Gut zu mir, und ich will dein Blut. So süß vergiften, als meine kleine Zunge es kann. Mein tiefstes Gottgeheimnis rührt dich an, Wenn ich dich steche. Es wird nichts Geringres sein Als die Mitte der Welt. In die schläfst du sterbend hinein.