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Jüdischer Almanach · 1937-01-01 · 5697 (1936-1937) · p. Seite 157

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Journal
Jüdischer Almanach
Volume
5697 (1936-1937)
Date
1937-01-01
Page
Seite 157 (sequence 159)
Language
German
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157 »Also — was sagst du zu dieser Frechheit, Georg?!« »Na, ich habe midi natürlich dabei nicht zufrieden gegeben ... dann sollen Sie Marianchen Henoch wieder ausbuddeln und einen andern Plag für sie suchen. Wozu zahle ich denn meine Steuern? Sie hätten ja doch einfach auf der Gemeinde nach mir fragen können, ob ich mit meinen Steuern im Rückstand bin ... wozu denn, wenn ich nicht bei meinem guten Robert mal liegen soll?! ,Dann sollen Sie mir all meine Steuern wiedergeben!' habe ich geschrien. Na, wie sie das gehört haben, sind sie dann mit einemmal ganz klein und höflich geworden. ,Nein, nein, geändert könnte da nun leider wirklich nichts mehr werden, aber: — geben Sie doch mal den Lageplan her. Seh'n Sic, gnädige Frau, da haben wir gleich daneben Feld, in Reihe 19, noch eine vorzügliche Stelle frei...' und zeigt auf den Plan da. Naja, sage ich, wenn die anderen ein bißchen zusammenrücken ... aber ich werde da sonst kaum hingehn! ,Und da liegen Sie doch dann auch, gnädige Frau, ganz dicht neben ihrem Mann ...'« »Also was soll man machen?! Aber eine gemeine Person war ja diese Marianne Henoch immer gewesen. Neben meinen Robert... Da gehöre ich hin. Da hat sie garnichts zu suchen. Aber, die soll mal sehn... die soll mich noch kennen lernen, wenn ich erst dabin, die stoße ich mit de Beine . .. die stoße ich mit de Beine, die gemeine Person!« Und damit gab Tante Rosalie mit ihren kleinen dicken Füßchen immer so Tritte nach der andern Bankseite herüber, was ihr ja bei den hängenden Beinchen leicht fiel.--■ »Und denke dir, wie ich endlich rauskomme, eine Stunde bin ich drin geblieben; wer ist nicht mehr da? Schramm! Dem werd iehs geben. Und weit und breit keine Droschke zu sehn ... und da halt ich zum Schluß sogar noch in der Pferdebahn fahren müssen. Alles wegen der abscheulichen Marianne Henoch ... die stoß ich mit de Beine. Das tu ich. Das kriege ich fertig.« Der Straßenbahnschaffner zog die Schelle und Tante Röschen erhob sieh und wischte sich ein letjtesrnal die Augen und lachte wieder so nett und damenhaft, wie sie das immer tat — sie war noch eine aus der alten Zeit —, eine, bei denen Liebenswürdigkeit und Lächeln zum Lebensprogramm gehörten. Diese Sorte netter alter Damen ist leider ausgestorben heute. »Du«, sagte sie und blinzelte mich verschmißt mit ihren Rosinenaugen an. »Du, willste

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