Mannheim
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19111914
  1. 1913-12-01 · Heft 8 (Dezember 1913) · p. Seite 226

    Wahrheit zu bekennen, vielleicht entstände unter der Schülerschaft eine große Empörung gegen religiöse Heuchelei und Gewissenszwang. Freilich würde sie erst nach langen Kämpfen Erfolg haben. Aber in' einer wichtigen Angelegenheit unsres Vol…

  2. 1913-12-01 · Heft 8 (Dezember 1913) · p. Seite 227

    beugen! Hier ist eine Aufgabe, die nur die Jugend lösen kann, bei der wir nur auf die Jugend vertrauen müssen. — Seid, was ihr seid: Katholiken, Protestanten, Freidenker, nur seid es ganz und bekennet euch." Hier ist es also ganz deutlich a…

  3. 1913-12-01 · Heft 8 (Dezember 1913) · p. Seite 228

    Wie Ostwald den Weltverkehr vereinfacht, indem er ein Welt- \ 3 format für Drucksachen einführt, so erneuern wir die Beziehungen der Menschen zueinander, indem wir die Ehrlichkeit einführen. Das System ist in zwei Worten gegeben: Überall wo…

  4. 1913-12-01 · Heft 8 (Dezember 1913) · p. Seite 229

    …elm Teil4 am Freitag gehst du nicht! Und Fräulein wird dich jetzt jeden Tag zur Schule bringen und abholen!" 3. Allegro assai. „Hans, du wirst für mich auf die Post gehen." — „Es tut mir leid, Vater, ich kann jetzt unmöglich, ich habe mich verab…

  5. 1913-12-01 · Heft 8 (Dezember 1913) · p. Seite 230

    „So, du hast dich verabredet, dann mußt du deinen Freund eben warten lassen/' — „Es geht nicht, Vater, es ist ein Mädchen." „Ein M . . . . ein Mädchen? Und das sagst du mit dieser Frechheit? — Was soll man nur dazu sagen? — Es kann keine Re…

  6. 1913-12-01 · Heft 8 (Dezember 1913) · p. Seite 231

    „Aber ich muß jetzt weg, Vater. Adieiil" „Halt! — Hans! — Halt! Wirst du wohl —! Dieser Bengel!" — 4. Risoluto. „Ja, gewiß, Mutter, ich korrespondiere weiter mit Mary, aber ich hole meine Briefe jetzt von der Post, da ihr ja unsefr Briefgeh…

  7. 1913-12-01 · Heft 8 (Dezember 1913) · p. Seite 232

    es jetzt nicht mehr mit aufsässigen Einzelnen, sondern mit zielbewußten Legionären zu tun. Das ist ja das Große an der Jugendbewegung, daß wir unsere gemeinsame Sache in ihr erkannt haben. Welches andere Mittel gibt es diese Sache zu vertre…

  8. 1913-12-01 · Heft 8 (Dezember 1913) · p. Seite 233

    Lisaweta: Jugendbewegung! Veranlassen wir die Jugend nicht, viel Köstliches aufzugeben, um dafür ein Martyrium einzutauschen? Wir wollen ,unsere Welt für uns behalten in Heimlichkeit vor den Alten! Sie verstehen doch nichts davon! Gregor: W…

  9. 1913-12-01 · Heft 8 (Dezember 1913) · p. Seite 234

    gar nicht, wie sehr wir unseren Eltern imponieren können. Man stellt sich aus Gewohnheit die offene Rebellion so ungeheuerlich vor; in Wahrheit wird sie vielleicht fast banal verlaufen. Wir müssen bei jeder Gelegenheit Szenen heraufbeschwör…

  10. 1913-12-01 · Heft 8 (Dezember 1913) · p. Seite 235

    Wesen. Das Beste von unseren Gedanken und Gefühlen lassen wir ungesagt, nicht weil es für Gedanken jind Gefühle besser wäre, sondern aus falscher Scham. Lisaweta: Sie haben recht, es ist so! Was unterdrückt man nicht aus Vorsicht, Rücksicht…

  11. 1913-12-01 · Heft 8 (Dezember 1913) · p. Seite 236

    zu beschränken. Ich könnte eine lange Liste derartiger Versuche anführen, will mich aber vorläufig noch kurz fassen. Wir bitten das k. k. Ministerium für Kultur und Unterricht, den einzelnen Schulen und auch uns mitzuteilen, in welcher Weis…

  12. 1913-12-01 · Heft 8 (Dezember 1913) · p. Seite 237

    nicht mehr von den Lehrern als von dem System ausgehe. Hier herrschte auch Wahrheit! Aber sonst! Ich habe selbst die Erfahrung gemacht und sie von allen meinen Kameraden bestätigt gefunden, daß es ganz unmöglich wäre, mit der Zeit auszukomm…

  13. 1913-12-01 · Heft 8 (Dezember 1913) · p. Seite 238

    buch, wo sich allerdings diese Zahl recht häufig wiederholte. Sein Zeugnis war aber nachher auch so (4—5). Vielleicht, daß einer der Kameraden oder Kameradinnen Ähnliches erlebt? „Ja, Wahrheit Sei zwischen uns und der platonische Eros möge …

  14. 1913-12-01 · Heft 8 (Dezember 1913) · p. Seite 239

    Ein etwa Dreizehnjähriger jagt auf dem Karussell herum» er packt ein Mädel bei den Haaren, zieht es zu sich, küßt es wild und toll vor den Augen der grinsenden, lärmenden, lachenden Menschenmenge. Wenn er nach Hause kommt, wartet wohl auf i…

  15. 1913-12-01 · Heft 8 (Dezember 1913) · p. Seite 240

    Aber die Jugend wird sich ändern. Die wird aus ihrem Schlummer erwachen und sich der Vergangenheit schämen. Fort aus den geilen Winkeln der Großstadt, aus der öden Geselligkeit der Erwachsenen, los vom Moloch Kapitalismus, von Parteizänkere…

  16. 1913-12-01 · Heft 8 (Dezember 1913) · p. Seite 241

    Am änderen Tage hatte H. die Hofaufsicht. (Die Schule zwingt jeden Schüler, die Hof aufsieht zu fähren!) Die Kleinen lachten H. aus und verspotteten ihn, als er sie berief. Die „Sänger" hatten natürlich den Fall auch den Mitschülern erzählt…

  17. 1913-12-01 · Heft 8 (Dezember 1913) · p. Seite 242

    wenigstens Interesse heucheln; wenn Sie von der Schule fort sind, dann können Sie das alles schleunigist wegwerfen. — Hm, heucheln sollen Sie ja freilich nicht, aber äußerlich müssen Sie etwas Interesse zeigen, wenn Sie auch innerlich ander…

  18. 1913-12-01 · Heft 8 (Dezember 1913) · p. Seite 243

    legen will, die selbst wünscht, daß die Schüler von den Schülern Bestrafung finden. Lange schreckten die Kleinmütigen zurück, die da stammelten, daß solche Gedanken Revolution in sich bergen, daß eine Umwälzung des Schulgeistes zu „befürcht…

  19. 1913-12-01 · Heft 8 (Dezember 1913) · p. Seite 244

    die Aufgabe zu lösen. Leider sind es nur wenige, denen solcher Vertrauensbruch nicht in den Sinn kommt. Erst gegen 7»12 Uhr fallt mir diese Gemeinheit auf. Ich hatte gar nicht gedacht, daß die Klasse sich solcher Handlungsweise hingibt, beo…

  20. 1913-12-01 · Heft 8 (Dezember 1913) · p. Seite 245

    An der Tafel sind noch die verwischten Worte zu entziffern: Es wird weitergeschrieben I Der Lehrer kommt. Einer der unsrigen bittet den Lehrer, nicht weiterschreiben zu lassen. Die einen rufen: „Wir schreiben", die andern: „Nein". Der Lehre…