Der Anfang
- Journal
- Der Anfang
- Volume
- 1. Jahr (1913-1914)
- Issue
- Heft 8 (Dezember 1913)
- Date
- 1913-12-01
- Page
- Seite 240 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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Aber die Jugend wird sich ändern. Die wird aus ihrem Schlummer erwachen und sich der Vergangenheit schämen. Fort aus den geilen Winkeln der Großstadt, aus der öden Geselligkeit der Erwachsenen, los vom Moloch Kapitalismus, von Parteizänkerei und Götzendienst jeder Art. Das Alter ist ein Faktor, der uns überwinden mußte, bevor wir ihn überwinden können. Wir haben gesehen, daß es abgewirtschaftet hat. Sein Ziel ist Verfall! Sein Weg ist Verfall! Wenn wir ihm folgen, gelangen wir zum allgemeinen geistigen Proletentum! Das ist keine Phrase, sondern eine Folgerung. Die trügerische Decke der Unehrlichkeit kann die Jugend nicht täuschen. Aus eigner Kraft heraus wird sie sich ein neues Heiligtum1 schaffen. Aus ihrem Geist gefügt wird eine neue Geselligkeit erstehen. Im Zeitalter der Jugend wird es nicht drauf ankommen, sich möglichst früh in einen beschaulichen Lebenswandel blasiert zu fügen, sondern jeder wird drauf acht haben müssen, möglichst lange jugendlich zu bleiben: tatkräftig, zukunftsfreudig, gesundsinnlich! Und nun ihr Eltern, überzeugt euch, daß es wahr ist, was ich gesagt habe. Seht euch eure Kinder an! Und wenn ihr manches Unreine an ihnen entdeckt, gebt ihnen nicht die Schuld. Das einzige, was ihr tun könnt, ist ein ehrenvoller Rückzug. Ermöglicht, daß sie freier werden, als ihr es werden konntet, verrammelt ihnen nicht den Weg zu gesundem Menschentum, nein, segnet sie, denn sie sind die Vorkämpfer einer neuen Zeit, sie erringen, was ihr verloren habt, sie unterjochen, was euch zu Sklaven machte! Der Schüler muß! Von Ado, Primaner „Ruhe!" gebot Herr Fr., unser Gesanglehrer. Es wurde stiller. Doch völlig hörte das Sprechen nicht auf, denn so genau nahm es ja auch nicht Herr Fr. Aber heute schien er nicht in rosiger Stimmung zu sein. „Sekundaner H., kommen Sie einmal hervor!" Dieser arme Mensch hatte nämlich trotz des Ruhegebots weitergesprochen. „Kinder, paßt einmal auf," wandte sich Herr Fr. an die Knaben. „Dieser Sekundaner ist viel alberner und kindischer als ihr alle zusammen seid." 240