Der Anfang
- Journal
- Der Anfang
- Volume
- 1. Jahr (1913-1914)
- Issue
- Heft 8 (Dezember 1913)
- Date
- 1913-12-01
- Page
- Seite 237 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/2709933-3186105-3186114--349-3186394- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
nicht mehr von den Lehrern als von dem System ausgehe. Hier herrschte auch Wahrheit! Aber sonst! Ich habe selbst die Erfahrung gemacht und sie von allen meinen Kameraden bestätigt gefunden, daß es ganz unmöglich wäre, mit der Zeit auszukommen, wollte man seine Hausaufgaben pünktlich bis aufs letzte erledigen. Man kommt aber mit seiner Zeit aus, besser oder schlechter, immerhin: Also die Übersetzungsherausgeber haben den Gewinn davon, und die Käufer sind so ziemlich alle, nicht zuletzt der Primus. Die Mathematikaufgaben sind enorm schwer, besonders seit der neuen Stoffvermehrung (in .Württemberg). Zwei oder drei bringen sie heraus und von ihnen verbreitet sich solch ein „Eintrag" über die übrigen. Die Klassenarbeiten dafür miserabel. Der Lehrer weiß warum, aber geändert wird nichts. Schwere Aufgaben sind eine gute Übung, also! Aber Wahrheit sei zwischen uns. Daß es in den Klassenarbeiten ähnlich zugeht, ist nichts Neues, man muß ja schließlich „genügend" haben oder auf den speziellen Wunsch der Eltern „gut", sonst wehe, weiß ich doch, daß in Kaffeekränzchen auch darauf sehr gesehen wird, daß der betreffende Sohn oder Bruder möglichst gut in der Schule sitzt. Und die häusliche Erziehung kennt ja Mittel genug, um zu erzwingen, daß dieser Ehrgeiz befriedigt wird. — Ist nun solch ein häuslicher Druck stark genug, dann kommt es eines Tags zu einer Zeugnisfälschung oder dergleichen und im Falle, daß so etwas entdeckt wird, wird das sittlich gänzlich verkommene Subjekt relegiert. Ziemlich denselben Effekt hat die Aufdeckung einer Schülerverbindung usw. Ja, was wollen Sie denn überhaupt, wird mir jetzt wohl von gewisser Seite entgegengeworfen, das ist ja alles in den Statuten § 11—14 aufs strengste verboten, so ziehen Sie doch die Konsequenzen! O diese Psychologen! Wahrheit sei zwischen uns! Dazu gehört es sicherlich auch, wenn man bei der Abfassung der Zeugnisse zu den Schülern zunächst unerwarteten Zeugnissen kommt. Ich habe meine 4,5 (genügend bis befriedigend) im Französischen und kann mich darüber nicht beklagen, mein Freund B. leistet schriftlich wie mündlich bedeutend mehr — und der Ansicht sind alle Kameraden —, trotzdem ist das Resultat ebenfalls 4,5. Einem anderen warf derselbe Herr vor, er habe ihm immer nur ungenügend notieren können (2). Als dieser erklärte, dies sei unmöglich, zeigte er ihm sein Notiz- 237