Der Anfang
- Journal
- Der Anfang
- Volume
- 1. Jahr (1913-1914)
- Issue
- Heft 8 (Dezember 1913)
- Date
- 1913-12-01
- Page
- Seite 239 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Ein etwa Dreizehnjähriger jagt auf dem Karussell herum» er packt ein Mädel bei den Haaren, zieht es zu sich, küßt es wild und toll vor den Augen der grinsenden, lärmenden, lachenden Menschenmenge. Wenn er nach Hause kommt, wartet wohl auf ihn der Hauslehrer und die Eltern fahren ins Theater. Keine Lasterhöhlen, keine Verbrecherwinkel! Eure Kinder sind es, die dort ihre Seelen verkaufen, ihr seid es, die ihr dort die Seelen eurer Kinder morden laßt! Jugend ist nicht von Grund auf verdorben. Eure moralischen Sitten und Anschauungen, eure gesellschaftlichen Vorurteile, eure Oberflächlichkeit, Gewissenlosigkeit und euer geldgieriger Kapitalismus ist es, der die Jugend vergewaltigt und in seine rücksichtslosen Fesseln zwingt, daß sich die jungen Leiber aufbäumen vor wildem Schmerz und immer neuen Rätseln. Ihr glaubt, ich übertreibe, aber ihr ahnt nichts von den schlaflosen Nächten, in denen eure Kinder ganz allein, ganz verlassen zu kämpfen haben. Die armen Geächteten und Gefallenen, die eure Prüderie in den Staub getreten hat, die Ausgesogenen und Verbitterten, hier rächen sie sich an euren Kindern für das, was ihr ihnen getan habt, Und es tritt nicht ein, was die Grundlage jeder gesunden Entwicklung sein muß, daß die Geadelten, die Mächtigen den Schwachen zu sich emporheben. Hier fangen Laster und Gemeinheit sich die unerfahrenen Opfer aus den Reihen eurer Kinder. Es ist keine Aussicht vorhanden, daß sich aus eigener Initiative heraus die Erzieher ändern werden. Eine schwer begreifliche Feigheit hindert sie, der Jugend Zugeständnisse zu machen. Die sexuelle Aufklärung kommt in einem Alter, wo sie nur noch lächerlich wirken kann. Bestenfalls glaubt der Vater seiner Pflicht vollauf Genüge getan zu haben, wenn er seinen Jungen in „angemeßnem" Alter in zartfühlender Weise darauf aufmerksam gemacht hat, daß es gewisse Dinge gibt, über die man sonst nicht redet, und daß bei diesen gewissen Dingen einige Vorsicht vonnöten ist. Die Schule als Hüterin jugendlicher Moral macht sich tausendfach lächerlich. Es wird immer beim alten bleiben: das Kind ist in der Hauptsache in die Hände der Köchin und der Bonne gegeben. Ob die es gut oder schlecht meinen, davon hängt alles ab. 239