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Der Anfang · 1913-12-01 · Heft 8 (Dezember 1913) · p. Seite 234

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Journal
Der Anfang
Volume
1. Jahr (1913-1914)
Issue
Heft 8 (Dezember 1913)
Date
1913-12-01
Page
Seite 234 (sequence 10)
Language
German
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gar nicht, wie sehr wir unseren Eltern imponieren können. Man stellt sich aus Gewohnheit die offene Rebellion so ungeheuerlich vor; in Wahrheit wird sie vielleicht fast banal verlaufen. Wir müssen bei jeder Gelegenheit Szenen heraufbeschwören, die Alten werden es schon müde werden. Sie müssen vor allem empfinden, daß es sich nicht um tmser Privatvergnügen, sondern um eine Idee handelt. Und der Gram und Kummer, von dem Sie sprechen — wir können dagegen nichts tun. Es ist nicht unsere Schuld, sondern unser Verdienst, wenn wir dem Bild, daß sidh unsere Eltern von uns machen, nicht entsprechen. Wir müssen sie eben beizeiten daran gewöhnen. Und Sie glauben gar nicht, wie leicht man Eltern mit ein wenig 'Energie erziehen kann. Lisaweta: Ich fange fast an, es mit Ihnen zu glauben. Gregor: Im Ernst, durch die schrankenlose Offenheit wird das Verhältnis zwischen Eltern und Kindern endlich einigermaßen anständig werden. Ist es nicht bezeichnend, daß wir den Anfang machen? Wir zwingen zu einem anständigen Kampfe, eben durch Offenheit. Von uns aus verschwindet alles Gehässig-Persönliche, wir stellen uns als junge Generation vor sie. Sie wissen ja, ich habe selbst mit Erfolg den Anfang gemacht; ich achte meine Eltern viel mehr, seit ich sie für würdig befinde, um mein Leben zu wissen. Lisaweta: Und doch — man kann nicht seine Herzensangelegenheiten auf Kommando den Eltern, die bis jetzt nichts davon wissen wollten, mitteilen. Das Vertrauen läßt sich nicht herbeiholen, wenn es nicht von selbst kommt. Gregor: Es geht ja nicht um Vertrauen, es geht um Offenheit als Prinzip. Wir brauchen nichts von unserem Fühlen preiszugeben, wenn wir ohne Maske kämpfen. Es ist nur, daß wir reinen Tisch machen, unser jugendliches Leben nicht länger erschleichen. Solange wir es halb verheimlichen, können wir es nicht kultivieren. Kultivieren aber können wir es nur, wenn auch unter uns selbst die Ehrlichkeit eingeführt ist. Sie sehen, die Offenheit zwischen Eltern und Kindern wird ihre Beziehungen erneuern; ebenso die Ehrlichkeit unter uns. Lisaweta: Aber haben wir denn die noch nötig, als Forderung meine ich? Ist sie nicht schon längst da? Gregor: Wo ist sie, wo? Wir belügen uns ja auf Schritt und Tritt. Wir kommen ja gar nicht heraus mit unserem wahren 234

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