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Der Anfang · 1913-12-01 · Heft 8 (Dezember 1913) · p. Seite 243

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Journal
Der Anfang
Volume
1. Jahr (1913-1914)
Issue
Heft 8 (Dezember 1913)
Date
1913-12-01
Page
Seite 243 (sequence 19)
Language
German
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legen will, die selbst wünscht, daß die Schüler von den Schülern Bestrafung finden. Lange schreckten die Kleinmütigen zurück, die da stammelten, daß solche Gedanken Revolution in sich bergen, daß eine Umwälzung des Schulgeistes zu „befürchten" sei. Gott sei Dank, diese Revolution wollen wir. Wir wollen reine Arbeit, keine Kompromisse, keine „Reformen", nein, neuen, wahren Schulgeist. Wieder stammelten die Kleinmütigen: Und das „Spicken?" (spicken bedeutet ablesen [unerlaubt!], abschreiben usw.) Ein verständnisvolles befreites Lächeln legte sich auf die Wangen der Kleinmütigen, hoffend, daß dieser Einwurf die Haltlosigkeit unserer Pläne, unserer Arbeit bezeugen solle. Auch das „Spicken" muß fallen, Kameraden. Ist in Euch schon jener reine Instinkt gewichen, der solche Lügen von sich weist?! Wir alle vom Sprechsaal drängten begeistert, aufatmend. Noch ist in der Jugend der Drang zur Wahrhaftigkeit nicht gestorben, noch ist nicht alles verloren, dieses befreite, glückliche Aufatmen hat uns die wahre Jugendgesinnung geschenkt. Und einzelne der „Unsrigen", die glücklich in die Zukunft sahen, drückten mir froh und fest die Hand und sprachen begeistert: „Du, wenn wir so weit sind, wenn ein solches ideales Verhältnis zwischen Lehrer und Schüler herrscht, dann bin ich gern in der Schule." Können die Lehrer einen solchen neuen sprossenden Geist zurückweisen? Ich hoffe nicht — Gerade der heutige Tag hat mir deutlich gezeigt, wie neuer Geist in die Reihen der Schüler dringt, wie das Alte wankt. Ich könnte diese wenigen Morgenstunden mit den Worten: „Ein Kampf um Ehrlichkeit" bezeichnen. Ich will's Ihnen erzählen : Schrill hallte das Glockenzeichen durch die Schule: Der Unterricht beginnt. Wir schreiben von 8—10 Uhr eine Mathematikarbeit. Die Klasse arbeitet ... Man kann zwei Gruppen sondern, solche, die selbständig arbeiten und solche, die fremder Hilfe bedürfen. Es ist 10 Uhr. Der Lehrer sammelt die Hefte, teilt uns mit, daß er uns erlaube, von 12—i Uhr während seiner Abwesenheit weiter zu arbeiten; er hoffe jedoch, daß wir dieses Vertrauen als anständige Menschen zu schätzen wissen. Überraschte Gesichter. In einigen prägt sich unverhohlen Achtung aus, über die andern schleicht ein schlaues Lächeln, in dem alle, aber auch alle Gemeinheit versteckt liegt. Was tut die Klasse? Sie bricht jenes edle Vertrauen in der gemeinsten Weise, sie benutzt die Zwischenzeit, um mit Hilfe der besseren Mathematiker 243

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