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Der Anfang · 1913-12-01 · Heft 8 (Dezember 1913) · p. Seite 228

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Journal
Der Anfang
Volume
1. Jahr (1913-1914)
Issue
Heft 8 (Dezember 1913)
Date
1913-12-01
Page
Seite 228 (sequence 4)
Language
German
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Wie Ostwald den Weltverkehr vereinfacht, indem er ein Welt- \ 3 format für Drucksachen einführt, so erneuern wir die Beziehungen der Menschen zueinander, indem wir die Ehrlichkeit einführen. Das System ist in zwei Worten gegeben: Überall wo gelogen wird, soll die Wahrheit gesagt, wo verschwiegen wird, soll gesprochen werden; überall wo gezweifelt wird, soll gefragt, wo gefragt wird, geantwortet werden. Das ist alles. Die Folgen sind außerordentlich. Einer umfangreichen theoretischen Begründung wie Ostwalds Weltformat bedarf der Jugend neues Prinzip nicht. Es ist unmöglich, den Ruf zu hören und nicht zu befolgen, namentlich wenn man die nachfolgenden Beispiele gelesen hat. 1. Allegro agitato. „Else, wo gehst du hin?" „In die Konditorei, Mutter." „In die Konditorei? Bist du nicht bei Trost?!" „Ja, Mutter, ich habe mich mit einem Gymnasiasten verabredet . . ." „Mit einem G — Gymnasiasten? — Ja, bist du denn total verrückt? Und du hast die Frechheit, mir das ins Gesicht zu sagen?! Daraus kann natürlich nichts werden. Sofort ziehst du dich aus. Du bleibst zu Hause. — Aber die Frechheit!" — „Ja, Mutter, ist es nicht viel frecher, dich anzulügen? Ich hätte ja auch sagen können: ,Ich gehe zu Trude Bachmann', und alles wäre gut gewesen. Aber sieh mal, Mutter, ich finde, du bist jetzt, ich möchte beinahe sagen, erwachsen genug, um in meine Angelegenheiten und Interessen eingeweiht zu werden und sozusagen an ihnen Anteil zu nehmen. Zu Hause, siehst du, kümmert sich niemand um mich, wie ich es brauche, ich verlange es ja auch gar nicht, wo sollt ihr die Zeit hernehmen, es kostet sehr viel Zeit. Außerdem seid ihr nicht die Richtigen. Ihr seid zu alt. Meine Freundinnen — das ist auch nur halb. Da habe ich neulich den Gymnasiasten kennen gelernt, wir waren beim Zahnarzt im Wartezimmer zusammen und haben uns so fein unterhalten. Jetzt sind wir beim Zahnarzt zu Ende, da treff ich ihn eben in der Konditorei, wir haben doch nichts anderes. Er ist ein famoser Mensch, und wir beide können so schön miteinander sprechen. Und wenn du mich jetzt nicht gehen läßt, muß er umsonst warten, und du machst uns beide nur traurig." — 228

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