Der Anfang
- Journal
- Der Anfang
- Volume
- 1. Jahr (1913-1914)
- Issue
- Heft 8 (Dezember 1913)
- Date
- 1913-12-01
- Page
- Seite 226 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Wahrheit zu bekennen, vielleicht entstände unter der Schülerschaft eine große Empörung gegen religiöse Heuchelei und Gewissenszwang. Freilich würde sie erst nach langen Kämpfen Erfolg haben. Aber in' einer wichtigen Angelegenheit unsres Volkes wäre ein Anstoß gegeben und zwar von seiten der Jugend. Sollen wir wahr sein? — So fragen wir jene Freunde der freideutschen Jugend. Wie ist das gemeint, wenn Ludwig Gurlitt auf S. 81 sagt, „das Lebensprogramm der Jugend sei Kampf gegen alles, was Leib und Seele vergiftet, gegen alles, was sich nicht vertragen will mit einem unverdorbenen deutschen Gewissen". Zu diesem Kampf zählt Gurlitt auch „die Abkehr von dem falschen Pathos! kirchlicher Veranstaltungen". Ich frage, was heißt „Abkehr"? Genügt es denn, daß man diese Dinge innerlich ablehnt? Sollen wir diese Ablehnung auch offen bekennen oder nicht? Unser Kampfruf heißt doch: „Durch Wahrhaftigkeit frei!" Und wir werden diesen Kampf mit um so größerer Unverzagtheit durchkämpfen, wenn uns unsere Freunde „jederzeit mit Rat und Tat beistehen, wenn beides von ihnen gewünscht wird". Eine weitere Stärkung und Ermutigung gibt uns F. Jodl, wenn er zu uns spricht (S. 85/86): „Euch, meine jungen Freunde, wird es beschieden sein, dereinst den praktischen Schluß aus all diesen Prämissen (daß wir nämlich eine neue über das Christentum hinausführende Religion brauchen) zu ziehen — wenn ihr das ernste Wollen und die rechte Entschiedenheit mitbringt, wozu euch eben diese meine Worte anreizen sollen. — Ihr werdet kämpfen müssen für das, was uns Heutigen noch wie ein fernes Utopien vorschwebt: die Trennung von Kirche und Staat, die rein weltliche Schule." Wie lautet aber für uns Schüler der praktische Schluß aus all diesen Prämissen? Sollen wir uns feig vertrösten auf jene Zeit, wo wir nicht mehr in der Schute sind? Wird überhaupt in diesen Dingen je eine Änderung eintreten, wenn sich nicht die Jugend selbst rührt? Am klarsten scheint Karl Picht (S. 141/142) das Schwierige an der Frage erkannt zu haben, wenn er sagt: „Wie selten findet man einen jungen Menschen, der auch wirklich den Mut hätte^ zu bekennen, daß seine alte Religion ihm keinen Wert mehr darstellt — Die Suggestion der religiösen Macht ist so stark,, daß selbst sehr klare und helle Köpfe sich äußerlich vor ihr 226