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  1. 1916-01-01 · 19 (1916) · p. Seite 218 · Herz Homberg in Galizien

    …nd Handlungsweise scheuen." Homberg erhielt die Lehrerstelle in Wien nicht, ernannt wurde Solomon ^>erz, und ihm folgte Isaak Noah Mannheimer. Der Kaiser schrieb aber an den Rand des Referats folgende Zeilen: ״Nicht all acta legen. Dient mir zur Wissenschaft un…

  2. 1916-01-01 · 19 (1916) · p. Seite 219 · Herz Homberg in Galizien

    219 Homberg wirkte in Prag sehr lange, er erlebte die Taufe fast aller feiner Söhne und war mit ihr vielleicht ganz zufrieden. In einem Gesuche an den Kaiser um die Toleranz (Wohnrecht) für Wien, die ihm bereits einmal versagt wurde (am 18.…

  3. 1916-01-01 · 19 (1916) · p. Seite 220 · Herz Homberg in Galizien

    220 Lebensjahr gesellschaftlich mit dem Rabbiner Salomon Löb Rappoport, der im Jahre 1840 aus Tarnopol in ׳Galizien nach Prag berufen wurde. In dem brieflichen Nachlaß des großen Rabbiners und Historikers*) fand ich folgendes Schreiben der …

  4. 1916-01-01 · 19 (1916) · p. Seite 221 · Herz Homberg in Galizien

    221 sagte ihm auch, daß ich Ihnen noch eine Schuldnerin׳ geblieben. Er hinterließ mir bei seiner Abreise 3 Stück' chj: in Golde für Sie, nebst seiner Empfehlung. Ich füge die drei hierbei, mit der Bitte sie gütig anzunehmen! Sollte ich Ihne…

  5. 1916-01-01 · 19 (1916) · p. Seite 222 · Kommerzienrat Arnold

    Kommerzienrat Arnold. Von Thekla Skorra. f in Spätsonnenstrahl, draußen im vornehmen Landhausviertel, läßt hochragendes Krystall einer Junggesellentafel in blaugoldenen Reflexen aufleuchten; sprießt in Silbergarben von dem Edelmetall des Eß…

  6. 1916-01-01 · 19 (1916) · p. Seite 223 · Kommerzienrat Arnold

    — 223 — lustigem Schnabelklappern mich an meine Gastfreundpflichten mahnen kommt, gibt mir mehr wirkliche Freude, als die Kostbarkeiten aller Länder, die Sie hier rings als mein Eigentum sehen. Freiwillig kommt er, und ich muß täglich von N…

  7. 1916-01-01 · 19 (1916) · p. Seite 224 · Kommerzienrat Arnold

    des Hausherrn nannten sich alle hier. Auf wieviel Geschäftsgebieten hatten fie. mit einander gearbeitet, an wie mancher Festtafel mit einander gezecht in den zwanzig Jahren, seit Kommerzienrat Arnold vor den Toren dieser Seestadt sein große…

  8. 1916-01-01 · 19 (1916) · p. Seite 225 · Kommerzienrat Arnold

    225 dings, waren die Erlebnisse meiner Kindheit und Jugend eine etwas seltsame Vorbereitung. Es fiel vorhin das Wort „von einer echt christlichen Erziehung" — meine Herren, es wird Sie weniger die Tatsache, als Ihre zwanzigjährige Unkenntni…

  9. 1916-01-01 · 19 (1916) · p. Seite 226 · Kommerzienrat Arnold

    226 Aber nicht hier bei den ungemütlichen Spuren genossener Tafelsreuden. Darf ich die Herren Litten — Sie folgten ihm in das behagliche Dämmerlicht des Rauchzimmers, von dessen breitem Fenster die Glasmalereien einen violetten Dunst träume…

  10. 1916-01-01 · 19 (1916) · p. Seite 227 · Kommerzienrat Arnold

    227 ^gekommenen nennt — immer tiefer und tiefer — war da kein Halten mehr. Immer von Land zu Land, von Stadt zu Stadt. Ein armes, galizisches Mädchen hing ihm an. Ob sie ihn damals wirklich geliebt? ob er sie? Oft Hab' ich, in mich hineinho…

  11. 1916-01-01 · 19 (1916) · p. Seite 228 · Kommerzienrat Arnold

    22S die junge Frau, die bereits ein zweites Kind unter ihrem Herzen fühlte, Vorladen; sie müsse die Stadt verlassen, sie wäre Ausländerin, lebe mit Einem zusammen, der zwar staatsangehörig, nach hiesigem Recht aber nicht ihr Ehemann wäre. M…

  12. 1916-01-01 · 19 (1916) · p. Seite 229 · Kommerzienrat Arnold

    229 das nun einjährige Kind auf dem Arm tragend — davonwanderten: und seine Kinder werden Wohl „Judenpack! Judenpack!" hinter ihnen herschreiend, sie bis an die nächste Straßenecke begleitet haben. - Ost hat die Mutter erzählt, das sei das …

  13. 1916-01-01 · 19 (1916) · p. Seite 230 · Kommerzienrat Arnold

    mit 8ein die Krankenwärterin den Neugeborenen am Leben erhielt, hat mich weiter nicht zu schädigen. vermocht." - ' Diese vornehm schlanken Hanseaten betrachteten kopfschüttelnd die mittelgroße, gedrungene Gestalt des Sechzigers, dessen robu…

  14. 1916-01-01 · 19 (1916) · p. Seite 231 · Kommerzienrat Arnold

    231 gegen Gehässigkeiten aller Art, die auch seiner glücklicheren Jugend nicht gefehlt, dieses Blutes Wallungen niederzuringen. Daß er das konnte, ohne am leichtherzigen Frohmut seines Wesens einzubüßen, gab ihm das unbedingte Uebergewicht …

  15. 1916-01-01 · 19 (1916) · p. Seite 232 · Kommerzienrat Arnold

    232 der eigenen und die Tränen jener fremden, nicht fortwischen lassen. Den Namen des gestorbenen Knaben gab man mir ihr zu Ehren: „Aron!" Sie sehen, ihmein ganz neues Gepräge zu verleihen, hatte ich nur nötig, die Stellung der beiden Endbu…

  16. 1916-01-01 · 19 (1916) · p. Seite 233 · Kommerzienrat Arnold

    233 Nein, nein, das ging nicht. Die ganze Sippschaft wehrte sich verzweifelt. Noch mehr Hungerleider trug das Städtchen nicht. Wer wollt's der am eigenen Lebenskampf zermürbten Lumpenbagage verdenken! Sie ließen den Ankömmlingen kaum ein pa…

  17. 1916-01-01 · 19 (1916) · p. Seite 234 · Kommerzienrat Arnold

    234 — mütigungen in Scherben geschlagen, mit einer unverrückbaren Treue den Vorschriften seiner alten Lehre anhing, die unseren hungrigen Magen nicht gestattete, das Stück Wurst oder Schinken anzunehmen, mit dem irgendwann eine gutherzige B…

  18. 1916-01-01 · 19 (1916) · p. Seite 235 · Kommerzienrat Arnold

    235 - Ach, geht mir doch mit eurer Mär, wir Juden verstünden die Natur nicht! Ich habe jeden Sonnenaufgang wie ein Begnadetsein empfunden und jede Blumenwiese wie ein buntes Glück. Es gab ja so viel Land dort draußen zwischen Dorf und Stadt…

  19. 1916-01-01 · 19 (1916) · p. Seite 236 · Kommerzienrat Arnold

    236 Wohnten „weiter, weiter!" aufgepeitscht; aber wir rieben den Traum aus den Augen und — „dableiben dürfen!" hallte es von den feuchten Wänden, an denen schmierige Tapeten in Fetzen herabhingen. Aber unsere Augen liebkosten diese Wände. S…

  20. 1916-01-01 · 19 (1916) · p. Seite 237 · Kommerzienrat Arnold

    237 eben solchem einen frohen Schimmer lieh: da glaubten unsere beglückten Kinderherzen an Zauberei. Mit den Kindern einer Zigeunerfamilie aus der Nachbarwohnung sprangen wir in vertrautester Freundschaft treppauf und -ab. Als der Zigeunerb…